
Diese Ereignisse spielten sich ab, nachdem die Gäste von außerhalb verabschiedet wurden.
Als Lumull seinen Kräutertrunk verteilt hatte, richtete sich sein Blick nach oben. Das fortwährende Zucken der Blitze durch die düsteren Gewitterwolken war nach wie vor deutlich über Treno zu erkennen, allerdings war die wieder instand gesetzte Barriere nun nicht mehr von Löchern übersät, die in beklemmenden Warntönen erstrahlten. Das makellose, künstliche Firmament pulsierte nun in einem sanften Lichtspiel und hüllte die Stadt in einen friedlichen Schleier. Dass seine kleine Schwester Eyaney maßgeblich für diesen wundersamen Anblick verantwortlich war, erfüllte Lumull mit Stolz. Doch hinter seinem unwillkürlichen Lächeln verbarg sich ein Schatten der Unsicherheit.
„Obwohl Eyaney sich über die Jahre so fantastisch geschlagen hat, bleibe ich immer noch ...“, murmelte er, bevor er innehielt.
Tollpatschig wie eh und je. Es war schließlich nicht seine Absicht, den Biesterfinder immer und immer wieder kaputtzumachen! Auch dass er in seiner Euphorie den Durchsagebefehl für die Aufräumarbeiten vergessen hatte, war nicht absichtlich geschehen. Lumull strich sich mit seiner freien Hand über seine Schutzbrille. Absicht oder nicht, am Ende erinnerten ihn diese Patzer noch immer an sein entscheidendstes Missgeschick.
Diese Erinnerung daran trägt die Geschichte, wie ein Geschwisterpaar auf dem Nährboden des Leids, entstanden durch den Verlust ihrer Eltern, eine zarte Entschlossenheit zum Gedeihen hervorbrachte - gemeinsam, Hand in Hand.
Zehn Jahre zuvor.
Ein donnerndes Grollen dröhnte aus der Ferne heran, der gepanzerte Doomtrain raste gemeinsam mit seinem Tross an Bestien direkt auf Treno zu. Es genügte ein Augenblick, und der Wohnbezirk, in dem sich das Elternhaus von Lumull und Eyaney befand, war zerstört. Ihre Eltern, Noson und Matheya, hatten bis zu ihrem letzten Moment versucht, ihre Freunde und Nachbarn in Sicherheit zu bringen. Doch der Überfall forderte zahlreiche Opfer, darunter schließlich auch das tapfere Elternpaar. Den jungen Geschwistern war es nur knapp gelungen, diesem Schicksal zu entkommen. Sie fanden Obhut bei ihrer Großmutter Miayli, wo sie nicht viel mehr tun konnten, als sich ihrer tiefen Trauer hinzugeben.
Die Zeit verstrich, doch der Schmerz hielt an. Jeden Tag aufs Neue brach die kleine Eyaney in Tränen aus - ein Anblick, der Lumull jedes Mal ins Herz traf. Unablässig grübelte er vor sich hin, während Großmutter Miayli in ihrer Rolle als Bürgermeisterin aufging und sich bemühte, dem bitteren Schmerz, von dem Treno heimgesucht wurde, zu trotzen. Und so kam Lumull zu dem Schluss, dass auch er etwas unternehmen müsse, um seiner Schwester aus diesem tiefen Loch zu helfen.
„Schluss mit dem Geheule, Lumull! Du bist doch ihr großer Bruder! Stimmt doch, Mama, Papa ...“, machte er sich bewusst.
„Lumull, die Heulsuse“ sollte fortan Geschichte sein. Ab jetzt würde er seine kleine Schwester beschützen! Doch was könne er überhaupt für sie tun? Sie war völlig vom Schmerz zerfressen, den der Verlust ihrer Eltern über sie gebracht hatte. Immer wieder zerbrach sich Lumull den Kopf darüber, wie er seine Schwester aufmuntern könnte.
Nach langem Zögern beschloss er letztlich, Fuß in seinen einstigen Wohnbezirk zu setzen. Niemand wagte sich auch nur in die bloße Nähe dieses Ortes. Zwar war das dröhnende Echo des Doomtrains längst verklungen, doch war die Schneise der Verwüstung geblieben. Die Gefahr bestand weiterhin, von herabfallenden Gebäudetrümmern erschlagen zu werden. Dabei war es noch gar nicht lange her, da hatte in genau diesen Gassen reges Treiben geherrscht. Doch nun begegnete Lumull einzig gespenstische Stille. Während er in die verwüsteten Gassen blickte, kam ihm mit einem Mal der Gedanke, dass er Erinnerungsstücke aus seinem einstigen Zuhause mit zurückbringen könnte.
„Aber wie soll ich denn hier durchkommen ...?“, zögerte er zunächst, nahm jedoch all seinen Mut zusammen: „Zuerst muss der ganze Schutt aus dem Weg!“
Und so verging kein Tag, den Lumull nicht damit verbrachte, Erde zu schaufeln und die gewaltigen Trümmer, die den Pfad versperrten, zu zerkleinern und aus dem Weg zu räumen. Es war eine schweißtreibende Arbeit, die für den Zehnjährigen alles andere als einfach war. In kürzester Zeit waren seine zarten Hände von Wunden und Blasen übersät und seine Arme wie Beine waren schwer von Müdigkeit. Doch sein Blick richtete sich stets nach vorn.
Tag für Tag begab sich Lumull in das zerstörte Viertel, was letztlich auch die Aufmerksamkeit der anderen Bewohner erregte und immer mehr schritten zur Tat. Ob dies nun allein seinem ansteckenden Ehrgeiz geschuldet war oder doch auch den auffordernden Worten Miaylis, war schwer zu sagen. Fest stand, dass die Bewohner nicht einfach untätig zusehen konnten und kamen, um selbst nach Erinnerungsstücken zu suchen. Ihre Beweggründe mögen unterschiedlich gewesen sein, doch der Gedanke, dem plagenden Schmerz zu trotzen und nach vorne zu blicken, war derselbe.
Plötzlich hallten laute Rufe durch die einst so totenstille Verwüstung: „Looos! Immer schön die Muskeln stählen!“
Und eine weitere Stimme eines schaffenskräftigen Helfers setzte im Takt mit ein: „Und immer schön den Dreck zertrümmern!“
Die energiegeladenen Rufe der Schicksalsgefährten hallten rhythmisch durch die Gassen, begleitet vom Klang der Spitzhacken, die auf den kalten Stein trafen. Und obwohl Lumull sich diese hoffnungslos erscheinende Aufgabe selbst auferlegt hatte, öffnete sich durch die vereinte Kraft der Bewohner von Treno ein Pfad durch den Trümmerhaufen.
So gab es Tage, an denen ganz besondere Funde wieder zutage traten. Dinge, die die Herzen der Bewohner ein kleines Stück heilen konnten.
„Da bin ich wieder! Ich konnte bis zu deinem Haus vorlaufen, Koymi, und schau mal her, ich hab die Tütchen mit den Samen gefunden!“, rief Lumull voller Euphorie.
Der Funke, der in der Freude seiner Worte lag, sprang sofort über. „Das ist ja wundervoll! Endlich kann ich wieder Blumen anpflanzen!“, antwortete Koymi überglücklich.
Und genau dieser Funke ließ den Tatendrang noch weiter aufglühen: „Nicht wahr? Los, fragen wir gleich Großmutter Miayli, ob wir nicht auch einen Garten im neuen Viertel anlegen können!“
An anderen Tagen hingegen verbarg sich in den Trümmern kein Lichtblick - ganz im Gegenteil. In ihren Schatten lauerte eine Bestie, hungrig nach Beute.
„W-Was war das? “, stotterte Lumull aufgebracht und fuhr sichtlich aufgewühlt fort: „Ich dachte schon, das war‘s für mich ... Danke, Tamat!“
„Ach, ist doch alles gut, hehe! Wenn du dich bei so etwas schon fürchtest, wie willst du dann die kleinen Dodos schützen?“, antwortete Tamat.
Und so kam es, dass derartige Erfahrungen und die Angst vor Schlimmerem auch dazu beitrugen, sich noch stärker für die Sicherheit von Treno einzusetzen. „Sollen wir nicht Großmutter Miayli fragen, ob wir die Patrouillen hier im Viertel und um den Hof herum etwas verstärken können?“
Doch trotz solcher Bestrebungen, erinnerten die Tage, an denen die Opfer des grausamen Überfalls freigelegt wurden, an Trenos zerbrechlichste Augenblicke. An diesen Tagen war es fast unmöglich, passende Worte zu finden.
„Entschuldige Pepep ... Hätten wir sie doch nur früher gefunden ...“, stammelte Lumull.
„Quäl dich nicht damit, Lumull ... Tausend Dank, dass du meine Frau gefunden hast“, entgegnete Pepep, auch wenn ihm die Worte nur schwer über die Lippen kamen. „Lass uns doch Großmutter Miayli aufsuchen. Es wäre schön, eine ordentliche Grabstätte zu errichten, jetzt, wo die Trümmerhaufen beseitigt sind“, fuhr er fort.
Rückblickend war es für Lumull frustrierend gewesen, rein gar nichts ohne die Hilfe seiner Großmutter ausrichten zu können.
Doch er ließ sich nicht unterkriegen - nicht nach allem, was er bereits durchgemacht hatte. Deshalb blieb sein Blick weiterhin zielgerichtet auf seinem ehemaligen Zuhause. Und wenn weitere verlorene Gegenstände der einstigen Bewohner des Viertels zutage traten, zögerte er nicht, sie ihnen vorbeizubringen. Dabei bemerkte er gar nicht, dass sein Tatendrang - einst entfacht von den Gedanken an seine Schwester - nun auch den dunklen Schleier um die Herzen seiner Nachbarn und Freunde zu lüften begann. Stück für Stück kehrte die Lebensfreude zurück nach Treno. Lumulls Taten wurden sehr geschätzt; der Spitzname des Problemlösers, der nach eigener Aussage „mal den Speiseplan der Woche koordiniert, mal die Kisten von hier nach da trägt und mal verlorene Dinge aufspürt“, liegt jedoch in der Zukunft.
So strich die Zeit dahin, mit geteiltem Leid und geteilter Freude, bis Lumull eines Tages endlich sein Ziel erreichte. Obwohl er es eigentlich hätte wissen müssen, erstarrte er. Sein einstiges Zuhause war ein einziger Trümmerhaufen. Eine unerträgliche Unruhe machte sich in ihm breit, als er darüber nachdachte, welche Hoffnung für seine kleine Schwester Eyaney denn nun noch geblieben war. Es dauerte einen Moment, doch dann fasste er sich ein Herz und begann, den Schutt zu beseitigen. Da fiel ihm ein helles Licht ins Auge und er spähte verwundert durch die Lücke, die sich zwischen den Trümmern auftat.
„Die Schutzbrillen!“, rief er völlig hingerissen. Diese waren trotz all der Verwüstung unversehrt.
Die zueinander passenden Paare waren das Merkmal seiner Eltern gewesen. Als der Doomtrain Fahrt auf Treno aufgenommen hatte und die beiden unverzüglich damit begonnen hatten, die anderen zu evakuieren, hatte es die schreckliche Situation vermutlich nicht einmal zugelassen, sie noch aufzusetzen. Aus lauter Freude über seinen Fund wurde Lumull übermütig. Er streckte seinen Arm durch die Lücke im Trümmerhaufen und griff mit aller Anstrengung nach den Brillen. Seine Fingerspitze streifte jedoch lediglich einen der beiden Brillenrahmen und so drückte er verzweifelt seinen kompletten Körper gegen die Trümmer, um noch ein kleines Stück näher heranzukommen. Doch es war zwecklos. Als Folge seines Tatendrangs erklang das dumpfe Dröhnen fallender Bruchstücke.
„He, Lumull! Pass auf!!“
Er hörte einen gellenden Schrei. Es war Tamat, der Lumull mit aller Kraft nach hinten zog. Unmittelbar danach donnerten die restlichen Trümmer von oben herab und schlossen die bereits enge Lücke endgültig. Lumull sank fassungslos zu Boden, umgeben von Staubschwaden, die durch den Einsturz aufgewirbelt worden waren. Sein Blick wich jedoch nicht von der Stelle, an der eben noch die Brillen seiner Eltern gelegen hatten. Für gewöhnlich hätte er sich für die Hilfe seines Kollegen bedankt. Doch jetzt stürzte er sich ohne ein einziges Wort des Dankes wieder auf die Trümmer. Mit mehr Bedacht als zuvor begann er, die Hindernisse Stück für Stück aus dem Weg zu räumen. Die anderen Milalla halfen, die kostbaren Stücke erneut freizulegen ... Doch was ihn diesmal erwartete, war nichts als bloße Enttäuschung: der vorherige Einsturz hatte die Schutzbrillen stark beschädigt.
„Warum schon wieder ich?! Warum muss ich‘s immer vermasseln ...“, klagte er.
Er würde Eyaney schon wieder enttäuschen!
Stumm starrte Lumull auf die zerbrochenen Gläser und die plattgedrückten Brillenrahmen. Die Tatsache, dass einmal mehr seine Unzulänglichkeit an diesem Anblick schuld war, ließ ihn fest auf seine Unterlippe beißen. Und obwohl dieser Gedanke ein klaffendes Loch in sein Herz riss, musste er sich eingestehen, dass er es trotz allem geschafft hatte. Er hatte ein Andenken an ihre Eltern gefunden. Mit zitternden Händen hob er die beiden Schutzbrillen vorsichtig auf und verließ schweren Schrittes die Überreste seines Elternhauses.
Mit gesenktem Kopf begab sich Lumull auf den Weg zum Rathaus, wo sich seine Schwester vor der Welt verbarg. In ihrem von Stille erfüllten Raum saß sie dort, die Knie fest umschlossen, und starrte nach draußen. Als ihr Bruder zurückkam, blickte sie langsam über die Schulter und begrüßte ihn mit leiser Stimme.
Er rang einen Moment mit sich selbst, bevor die Worte schließlich hervorkamen: „Weißt du noch mein Versprechen, Eyaney ... Dein Bruder hat‘s endlich bis nach Hause geschafft!“
„Nach Hause?“, hauchte sie.
„Ja, genau ... “, fuhr Lumull fort, während er ihr zitternd die beiden kaputten Schutzbrillen reichte: „Sieh mal, ich hab dort das hier gefunden.“
Als Eyaney erkannte, was er da in der Hand hielt, weiteten sich ihre Augen.
Lumull bemerkte ihre Reaktion jedoch nicht und fuhr bitter fort: „Als ich sie gefunden hatte, waren sie noch heil ... Doch ich war in Panik, alles stürzte ein und ... Es tut mir leid!“
„Es stürzte ein?! Bist du verletzt?“, rief Eyaney entsetzt.
Dass bei seiner Aktion noch weit Schlimmeres hätte passieren können, kümmerte Lumull kaum: „W-Was? Doch klar, a-also mir geht es gut! Tamat hat mich da rausgeholt, aber ...“
Erleichtert streckte Eyaney ihre Hand aus und nahm eine der beiden Schutzbrillen. Sie drückte sie fest an sich, senkte ihren Kopf und begann bitterlich zu weinen. Ob es Tränen der Freude waren, weil Eyaney die Wärme ihrer Eltern spürte, oder ob ihre Tränen dem Zustand der Brillen galten, konnte Lumull nicht sagen. Ganz durcheinander, seine kleine Schwester zum Weinen gebracht zu haben, lehnte er sich wortlos an sie. Nachdem sie für eine Weile ihren Tränen freien Lauf gelassen hatte, atmete Eyaney tief ein und sah zu ihm auf: „Mein ganzer Kopf brummt ... Hast du nicht noch etwas von deinem Kräutertrunk?“
Und da lächelte Eyaney. Nach so langer Zeit zeigte sie endlich wieder ein Lächeln.
Als Lumull spürte, wie seine Augen bei diesem Anblick wässrig wurden, biss er hastig die Zähne zusammen. Mit seinen Gefühlen ringend, rieb er sich mit seinem Ärmel über die Augen und überspielte die Situation mit einem Lachen.
Seit dem Tag, an dem Lumull ihr die Schutzbrillen zurückgebracht hatte, erlangte Eyaney merklich ihre Lebenskraft zurück. Und während ihr Bruder wieder den Arbeiten im zerstörten Wohnviertel nachging, begann sie, sich ihren Studien des Elektrobs hinzugeben. Die Frage, warum sie jedoch ausgerechnet Elektrob-Ingenieurin werden wollte, ließ Lumull nicht los.
Für Eyaney war diese Frage jedoch äußerst leicht zu beantworten: „Hör mal, du gibst immer dein Bestes und bist zu jedem so lieb ... Aber du bist auch ein richtiger Tollpatsch, nicht wahr? Wenn du wieder was kaputt machst, brauchst du jemanden, der es für dich richtet, stimmt‘s? So jemand möchte ich werden ... Schließlich flicken sich die Schutzbrillen von Mama und Papa nicht von allein!“
Bei dem Anblick seiner kleinen Schwester, die nun so entschlossen war und ein strahlendes Lächeln hatte, breitete sich eine wohlige Wärme in Lumulls Brust aus.
Mit bittersüßen Erinnerungen im Herzen leerte er den Becher seines Kräutertrunks in einem großen Zug. In Gedanken war er bereits bei dem Grab seiner Eltern, das er später gemeinsam mit Großmutter Miayli und Eyaney besuchen würde und wo er von den mutigen Abenteurern und dem Sieg über den Doomtrain berichten würde. Doch plötzlich hörte er laute Stimmen.
„Neeein, jetzt bin ich schon wieder ausgerutscht!“, rief ein Milalla.
„Schau doch auf deine Füße, verdammt noch eins!“, erwiderte eine weitere Stimme ungehalten.
Lumull zögerte keinen Augenblick und eilte sofort zu Hilfe. Als er aber nach seinem Kollegen griff, der bereits halb über der Dachkante hing, und begann, ihn mit aller Kraft hochzuziehen, spürte er, wie ihm etwas aus der Jackentasche rutschte.
„Oh nein ... Oh nein, nein, nein ... Nicht schon wieder ... der Biesterfinder!“, rief Lumull aufgebracht.
Ohne weiter über seine waghalsige Rettungsaktion nachzudenken, eilte er zu dem Gerät. Zwar hatte er es diesmal nicht verloren, jedoch reagierte es bedauerlicherweise auch nicht mehr, als Lumull auf die Knöpfe drückte.
Gefangen in der Angst vor dem, was nun auf ihn zukommen würde, wartete er auf seine Schwester, die noch in Gesprächen für die Erweiterung der Lebensmittelproduktion verwickelt war. Jede Sekunde schien sich zur Unendlichkeit zu dehnen und er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Als der Moment gekommen war und sie auf ihn zuschlenderte, traute er sich nur zaghaft, die Hand mit dem kaputten Biesterfinder zu ihr auszustrecken. Eyaney kannte dieses Verhalten ihres Bruders nur zu gut, ihre Augen weiteten sich.
„Lumull, ist das dein Ernst? Schon wieder!?“, rief sie.
„Es ist nicht so, wie du denkst! A-Also da war dieser eine Typ, der vom Dach hing und ... I-Ich bin ihm natürlich gleich zur Hilfe geeilt, aber dabei ... naja dabei ist ... Entschuldige!“, entgegnete Lumull, während er sich an seinen eigenen Worten verschluckte.
Eyaney blickte zum Himmel und seufzte: „Gib schon her, kaputt bringt er dir ja sowieso nichts. Jetzt, wo die Barriere wieder in Schuss ist, wird er wohl ohnehin weniger zum Einsatz kommen. Pass trotzdem auf, dass er dir nicht wieder runterfällt, hörst du?“, ermahnte sie und musste lächeln. „Aber naja, lieber das Ding hier als mein nichtsnutziger Bruder!“
Eyaney mochte zwar all ihren Vorwürfen gegenüber ihrem tollpatschigen Bruder freien Lauf lassen, doch gab es keinen Moment, in dem sie sich nicht um ihn sorgte. Und während er zwischen einem Gefühl von Dankbarkeit und Schuld hin- und hergerissen war, beobachtete Lumull aufmerksam die sorgfältige Arbeit seiner Schwester.
Auch heute tragen die beiden die Erinnerungsstücke auf ihren Köpfen. Gefunden durch den tapferen Bruder und restauriert durch die zuverlässige Schwester, sind sie der Beweis für die Entschlossenheit des Geschwisterpaars, sich gegenseitig zu beschützen und weiterhin Seite an Seite zu stehen.






