Der Lodestone

Erzählungen im Morgenrot

Die Frage nach dem Leben

Als Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des Lichts

Nur wenige Dinge auf der Welt sind so grausam wie die Anpassung. Denn wer sich anpasst, verliert seine eigene Form, nur um von anderen akzeptiert zu werden.

Alles wird gut. Sorge dich nicht. Das ist nur die Müdigkeit. Ich bin immer bereit, zuzuhören.

Die vertrauten Worte hallten in seinem Kopf wider – Worte, die seinen Gefühlen schon so oft jede Bedeutung genommen hatten. Sie glätteten den kantigen Kummer, schnitten die Dornen des Zorns weg, bis die Form, die übrig blieb, für andere hinnehmbar war.

Manchmal widersetzte er sich und zerrte an den mitfühlenden Händen, die versuchten, seine Dämonen zu vertreiben. Aber man sah nur auf ihn herab, mit Mitleid in den Augen. Und so passte er sich an, ohne eine Spur seines inneren Kampfes zu hinterlassen.

Aber dieses Mal – dieses Mal werde ich mich nicht anpassen.

Hermes stand auf der Celestrialebene, hoch oben im Himmel über dem Ktisis Hyperboreia. Aus den unteren Stockwerken drang schwach die Notfalldurchsage herauf. Gefährliche Kreaturen seien auf freiem Fuß, dröhnte die vorab aufgezeichnete Stimme. Die gesamte Einrichtung war in Alarmbereitschaft versetzt worden. Magische Barrieren überspannten die interdimensional verknüpften Räume und unterdrückten die Fähigkeiten aller, außer die des autorisierten Personals. Dieses Chaos habe ich verursacht ...

Mit seiner nun riesigen Hand griff der verwandelte Hermes nach dem Äthernetz der Einrichtung. Er befahl, noch mehr Käfige zu öffnen, und Worte erschienen leuchtend in der Luft, um die Ausführung zu bestätigen. Die so freigelassenen Schöpfungen fielen über seine Verfolger her, denen wohl nichts an dem Wohlergehen der Tiere lag: In ihrer Hast würden sie sie eher schlachten als zähmen, und das Blut dieser unschuldigen Kreaturen klebte so auch an Hermes‘ Händen. Die Wahl liegt allein bei mir, und damit auch die Schuld. Ein Stich der Scham durchfuhr sein Herz, aber da er sowohl kräfte- als auch zahlenmäßig unterlegen war, waren ihm die Hände gebunden. Nie zuvor hatte er irgendjemandem gewalttätigen Widerstand geleistet – aber seine Verfolger waren auch nicht „irgendjemand“.

Wenn man das Volk als Lebenselixier des Sterns bezeichnete, dann nicht nur wegen der Rolle, die es bei dessen Pflege spielte. Dieses gemeinsame Ziel ließ alle für gewöhnlich in die gleiche Richtung treiben, und keine Meinungsverschiedenheit überschritt je die Grenzen zivilisierter Debatten. Hermes bereitete es Unbehagen, seine abweichenden Überzeugungen in Worten zu verteidigen, doch nun war er im Begriff, es mit Gewalt zu tun. Die Aussicht erfüllte ihn mit unbeschreiblicher Angst.

Das Äthernetz verschaffte ihm einen Überblick über die Situation in der Einrichtung. Die Eindringlinge drängten immer näher und hinterließen eine Spur des Todes. Während er weitere unglückselige Kreationen entfesselte, um seinen Verfolgern den Weg zu versperren, wanderten seine Gedanken zu einem von ihnen – Azems Familiar, oder zumindest hielt man diese Person anfangs dafür. Er sollte schon bald als Reisender aus der Zukunft entlarvt werden, aus einer Zeit lange nach dem Ende der bekannten Zivilisation. Eine Person, die, obwohl sie der Elpisblume einen traurigen Farbton gegeben hatte, weiterhin lächeln konnte. Was Hermes an jenem schicksalhaften Abend in ihrem sanften Gesicht erblickte, war weder Freundlichkeit noch Nachsicht, sondern Stärke. Und diese Stärke hatte es seinen Häschern ermöglicht, unzählige Schwierigkeiten zu überwinden.

Ich muss ebenfalls stark sein – ich werde es sein, sagte sich Hermes, als er sich an das Lächeln des Reisenden erinnerte. Dann würde er trotz aller Widrigkeiten in der Lage sein, sich seinen Gefühlen zu stellen und sie zu akzeptieren. Auch wenn Blut an seinen Händen kleben sollte. Auch wenn er etwas tun musste, das nicht rückgängig gemacht werden konnte.

„Egal was passiert, Meteion, ich werde meine Augen nicht vor der Antwort verschließen.“

Er blickte hinüber zu seiner geliebten Schöpfung, deren Blick gleichzeitig alles und nichts zu erfassen schien. Sie so ihres Lebens beraubt zu sehen, schmerzte ihn auf eine Weise, die er vorher nicht gekannt hatte. Er versuchte, etwas Trost daraus zu schöpfen, dass sie seiner Bitte nachgekommen war, zu warten. Dies deutete zumindest darauf hin, dass sich ihr kollektives Bewusstsein stabilisiert hatte.

Laut Meteions Bericht in Lethe war wenig Freude in den Sternen zu finden. Hermes befürchtete, dass selbst wenn es dort draußen Wesen gäbe, die einen Lebenssinn gefunden hatten, diese Realität zu bitter für seine Mitbürger sein würde. Deshalb brauchte er Zeit – Zeit, um sich mit den Antworten abzufinden, unbeeinflusst von harmonischen Debatten oder der Sorge um zukünftige Auswirkungen.

Schweren Herzens öffnete Hermes ein höher gelegenes Gehege und entfesselte den furchterregenden Ladon-Lord in der Konzeptbewertung. Diese Schöpfung war seine letzte Chance – wenn sie seine Verfolger nicht abwehren konnte, würde er gezwungen sein, sich ihnen selbst zu stellen. Aus einem solchen Verbrechen würde es keinen Ausweg geben, kein Zurück.

So sei es. Besser, als Abnormität angesehen zu werden, als sich ein weiteres Mal anzupassen. Dieses Mal würde er nicht zulassen, dass seine Fragen und die Mühen, die er und Meteion auf der Jagd nach Antworten auf sich genommen hatten, spurlos verwischt wurden.

„Ich habe dich zu den Sternen geschickt. Ich werde nicht zulassen, dass deine Bemühungen umsonst waren.“

Hermes kniete vor Meteion nieder, aber in seinem verwandelten Zustand überragte er sie immer noch. Mit seinen riesigen Händen, die dazu gemacht waren, widerspenstige Bestien zu zähmen, konnte er sie nicht so sanft streicheln, wie er es normalerweise getan hätte. Stattdessen begnügte er sich damit, ihr in die Augen zu schauen, die in dem gleichen auffälligen Blau wie ihre Flügel schimmerten. Beide erinnerten sich an die vielen Tage, die vergangen waren und sie hierhin geführt hatten ...


Hermes öffnete die Augen. Es dauerte nicht lange, bis ihm klar wurde, dass er sich in einem Zimmer in der Anagnorisis befand, aber er konnte sich nicht erinnern, wie er dorthin gekommen war. Er setzte sich auf dem Sofa auf und versuchte, den Schleier abzuschütteln, der über seiner Erinnerung hing, als Euanthe hereinkam. Sie seufzte ungläubig und erzählte ihm, wie sie ihn zusammengebrochen in einer Ecke des Gartens gefunden und anschließend hierhergetragen hatten. Damit kamen die Erinnerungen zurück und Hermes sackte vor lauter Scham in sich zusammen.

„Entschuldigung. Ich habe möglicherweise versäumt, ausreichend zu ruhen. Es ist nur ... Ich bin jetzt so nah dran. Ich habe das Konzept ... beinah.“

Viele Jahre waren vergangen, seit Hermes zum ersten Mal die Idee für eine weltraumreisende Schöpfung, eine Entelechie mit freiem Willen, hatte. Die Gestaltung erwies sich als äußerst schwierig, da ein solches Projekt noch nie zuvor in Angriff genommen wurde. Es musste sich auf die Kraft des Dynamis stützen und in der Lage sein, die riesige Leere schnell zu durchqueren, um dort andere intelligente Lebensformen ausfindig zu machen und mit ihnen zu kommunizieren. Bei dem Versuch, seine Vision zu verwirklichen, war Hermes immer wieder von Euphorie in blanke Verzweiflung gestürzt. Aber endlich hatte die Schöpfung begonnen, Gestalt anzunehmen.

Euanthe lächelte und hielt dann wortlos einen Obstkorb hin – ein weiterer Versuch, ihn ans Essen zu erinnern.

„Heißt das, du hast es endlich geschafft, dich für ein Äußeres zu entscheiden?“

Hermes’ Hand blieb auf halbem Weg zum dargebotenen Korb stehen. Es stimmte: Er rang immer viel zu lange mit der Ästhetik seiner Kreationen. Es hieß, dass alle Schöpfungen von einzigartigem Aussehen sein sollten, um Abwechslung zu bieten und dem Gestirn zu dienen. Leider fiel dies Hermes schwerer als zum Beispiel Lahabrea, der immer wieder scheinbar mühelos die schönsten Konzepte erdachte.

„Ich möchte, dass seine Form so einfach wie seine Existenz komplex ist“, begann er.

„Ein Vogel wäre etwas, mit dessen Gestaltung ich vertraut bin und das zu den Fähigkeiten passen würde, die diese Schöpfung haben wird. Aber um die Kommunikation zu erleichtern, sollte es zumindest im Groben die Züge seiner Erschaffer haben. Das ist als Leitgedanke alles schön und gut, aber das allein bringt uns nicht weit. Wie sollen die körperlichen Eigenschaften sein, die Persönlichkeit und so weiter und so fort?“

Solche Dinge hatte Hermes bisher nicht bedacht, also begann er, sich den Kopf zu zerbrechen. Da es keine Möglichkeit gab, zu wissen, welche Art von Aussehen andere Lebensformen bevorzugen würden, konnte er sich nur auf seine eigenen Empfindungen verlassen. Er dachte über eine ganze Reihe verknüpfter Ideen nach, als würde er die überfüllten Kammern seines Geistes nach möglicher Inspiration durchsuchen. Der unsichtbare Funke des Dynamis. Das Universum und die Sterne. Am Himmel streifende Vögel ...

„Blau. Ich möchte, dass es so blau ist wie der Himmel über Elpis. Unser Portal zum jenseitigen Kosmos.“
Die Worte purzelten heraus, noch während er sie dachte. Euanthe blinzelte ein paarmal nachdenklich, bevor sie ein zustimmendes Kichern ausstieß.

„Eine gute Idee.“

In den folgenden Tagen versorgten Euanthe und andere Kollegen Hermes mit Entwurfsunterlagen und hielten sogar Privatvorträge zu seinen Gunsten, was ihm half, sich ein klareres Bild von seiner Schöpfung zu machen. Wie für ihn üblich brauchte er mehr Zeit für das Aussehen als für andere Aspekte, aber schließlich gelang es ihm, das Konzept fertigzustellen.

Er würde nie das erste Mal vergessen, als er seiner Schöpfung Leben einhauchte. Die Anspannung, die ihn packte, als er seine Magie kanalisierte. Wie alles zu einem strahlenden Licht verschmolz. Und schließlich der Moment, in dem sie sich manifestierte – ein Singvogel, kaum größer als seine Handfläche. Ihre blauen Federn nahmen an den Spitzen einen schwarzen Farbton an und erinnerten an den Übergang des Himmels zum Weltall, wie man ihn von der Celestrialebene aus sah. Und im Flug konnte er sich vorstellen, wie ihr langer Schweif einem Meteor gleich seine Spur über den Himmel zeichnete.

„Meteion.“
Kein Name könnte passender sein, und ihn laut auszusprechen, ließ sein Herz höherschlagen. Bis zum allerletzten Moment war er unsicher, ob seine Kreation seinem Anspruch gerecht werden könnte. Aber als er das Geschöpf vor sich sah, konnte er sich nichts Schöneres auf der ganzen Welt vorstellen.

So begann ihre Erforschung des Universums. Hermes erschuf Meteions Schwestern, die Meteions – obwohl ihr gemeinsames Bewusstsein sie mehr wie ein einziges Wesen erscheinen ließ –, und schickte sie auf Testflüge über die Grenzen des Sterns hinaus. Die ersten Ergebnisse waren von unterschiedlicher Qualität. Obwohl es Meteion nicht an den Fähigkeiten mangelte, die sie zum Erreichen ihres Ziels benötigte, stieß sie draußen in den Weiten des Alls auf ein Problem nach dem anderen. So setzten sich ihre Bemühungen eine Zeitlang fort.

„Nanu?“

Ein weiterer Arbeitstag war zu Ende gegangen. Hermes führte wie üblich Testflüge in der Abenddämmerung von Elpis durch, als Meteion vor Schreck einen schrillen Schrei ausstieß. Er wandte sich seiner Schöpfung zu, die gerade die Gestalt eines Mädchens angenommen hatte, um die Botschaften ihrer Schwestern weiterzuleiten, und sah sie wie erstarrt dastehen, mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Bevor er fragen konnte, was ihr fehlte, brach sie wie von einem schweren Schlag getroffen nach hinten zusammen, und er konnte sie gerade noch auffangen.

Für eine scheinbar endlose Weile lag sie steif wie eine Leiche in seinen Armen und gab keine Anzeichen, dass sie seine besorgten Worte hörte. Dann erwachte sie plötzlich mit einem Luftschnappen und ihr Körper entspannte sich, als ob die Zeit auf einmal wieder in ihrem gewohnten Tempo fließen würde. An der Art, wie sie zitterte und ihre Federn sich sträubten, war ersichtlich, dass sie eine intensive Kälte verspürte. In der Hoffnung, sie zu wärmen, rieb er ihre Schultern, als sie auf einmal verbittert zu klagen begann.

„Wir sind wieder gescheitert ... Haben wieder eine verloren ...“

Obwohl Hermes damit gerechnet hatte, machte es die Nachricht nicht leichter zu verarbeiten. Als er nach Worten rang, stand Meteion auf und begann pflichtbewusst mit ihrer stockenden Stimme zu berichten. Ihre Schwester sei in einem reißenden Strom von Dynamis gefangen gewesen, erklärte sie, und habe sich anschließend aufgelöst. Wie so viele andere zuvor.

Als Wesen aus Dynamis konnte Meteion in fast jeder Umgebung überleben, indem sie ihren Äther auf ein absolutes Minimum reduzierte. Ein Stern konnte in Flammen stehen, von Pol zu Pol gefroren oder in giftiges Gas gehüllt sein, aber solche Gefahren würden sie nicht stören. Zwar würde jede Lebensform in solch einer Umgebung ihre quälenden Emotionen sofort an Meteion weitergeben, doch das war eine rein theoretische Überlegung, da unter solchen Bedingungen niemals Leben gedeihen würde.

Allerdings war die aus Dynamis geformte Meteion aus dem gleichen Grund anfällig für Einflüsse. Obwohl die Auswirkungen des mystischen Stoffes auf dem ätherreichen Ætheris unterdrückt waren, wirkte er in den tiefen Weiten des Universums auf unerwartete Weise, verwirrend und verunsichernd. In einem Sektor gab es gar einen Stern, der das Dynamis manipulieren konnte. Er war in der Lage, Gedanken und Gefühlen eine Heimat zu geben, wenn auch auf eine uns nicht begreifliche Weise. In einem anderen tobte das Dynamis wie ein Sturm. In seinem Herzen lag ein großes Ätherbecken, angefüllt mit unzähligen, miteinander vermengten Erinnerungen, welche um ihn herum starke Turbulenzen hervorriefen.

Bei ihrer Suche nach intelligentem Leben verließ sich Meteion auf das Dynamis. Und so kam es, dass sie von solch gefährlichen Orten angezogen wurde wie eine Motte vom Licht.

„Aber keine Sorge! Wir verstehen es jedes Mal besser. Welche Orte schlecht sind. Wir werden Sterne mit Leben finden, da bin ich mir sicher!“

Trotz ihres jüngsten Traumas behielt Meteion ihren Optimismus. Aber Hermes’ eigener schien ihn verlassen zu haben. Wie viele ihrer Schwestern würden noch für seine Sache verloren gehen? Wie oft würde er seine geliebte Schöpfung zusammenbrechen sehen müssen, das Leben aus ihrem Körper getrieben? Auch wenn es ihr keinen dauerhaften Schaden zufügte, konnte er nicht umhin, Bedenken zu haben.

„Vielleicht werden wir das. Und doch ...“, brachte er hervor, bevor er mit hängendem Kopf verstummte. Schon bald blickte ein Paar neugieriger blauer Augen in seine eigenen. Sich innerlich dafür tadelnd, dass er seine Gefühle nicht beherrscht hatte, holte er tief Luft, um seine Fassung wiederzuerlangen. Da spürte er eine kleine Hand auf seinem Kopf. Sie begann, sein Haar zu streicheln, auch wenn die Bewegungen übertrieben und unbeholfen waren.
„Hab Vertrauen, Hermes. Wir bekommen Antworten. Dann sind alle glücklich. Du, ich, alle!“

Nach einer Weile zog sich die Hand zurück und ließ sein dunkles Haar in einem ungepflegten Durcheinander zurück – doch seine Seele war wieder ruhig und geordnet. Er sah Meteion an und lächelte. Sie tat es ihm gleich und kicherte auf ihre liebenswerte Art.
„Du hast Recht, Meteion. Wir werden die Antworten in den Sternen finden. Und dann werden wir unseren eigenen Planeten verändern.“
Er erhob sich, um noch einmal den sternenübersäten Himmel zu erblicken, seine Brust gewärmt von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.


Doch die Hoffnung hielt nicht. Eines Tages wurde Meteions Kollektivbewusstsein instabil. Sie und ihre Schwestern konnten ihre Existenz nicht aufrechterhalten und lösten sich in einer gewaltigen Explosion auf. Die daraus resultierende Schockwelle startete den Kairos, wodurch die Erinnerungen aller Anwesenden, einschließlich aller Beobachter, über die Dauer von mehreren Tagen ausgelöscht wurden.

Später erfuhr Hermes, dass im Ktisis Hyperboreia mehrere Gehege geöffnet worden waren und viele Kreationen im Kampf miteinander ihr Leben gelassen hatten. Nachdem er diesen Bericht abgeliefert hatte, fügte sein Untergebener noch hinzu, dass er in seiner Verwirrung vielleicht versucht hatte, sie zu befreien.

„Es sähe Euch ähnlich“, hatte der Mann mit mitleidigem Lächeln gesagt.

Hermes verfluchte sich. Dafür, dass er Meteion hinausgeschickt hatte. Dafür, dass er sie erschaffen hatte. Aber vor allem dafür, Zweifel gehegt zu haben. Hätte er einfach so gedacht wie alle anderen – hätte er sich einfach angepasst und die Dinge so akzeptiert, wie sie sind –, hätte er sich und anderen nicht solche Schmerzen zugefügt.
Aber man nahm es ihm nicht übel. Nein, man vergab ihm und reihte ihn so wieder ein in den Kreis der Angepassten.

Alles wird gut. Sorge dich nicht. Es sind nur die Erinnerungen an ein paar Tage. Die Kreaturen können jederzeit neu geschaffen werden.

Die verständnisvollen Worte überraschten ihn. Aber diesmal leistete er keinen Widerstand. Er passte sich stillschweigend an und lebte wie die anderen. Als er offiziell für den Konvent der Vierzehn nominiert wurde, nahm er demütig an und arbeitete bis zum Ende für das Wohl des Sterns, bis zu dem Moment, als die Realität selbst auseinanderbrach.

Von seinem verzweifelten Streben blieb nichts übrig ... so schien es zumindest. Doch sei es in der uralten Vergangenheit oder in ferner Zukunft – die Idee, für deren Erhalt er so viel geopfert hatte, würde Bestand haben. In all denen, die trotz des Vergessens zum Himmel aufblickten, würde ein Wunsch reifen – ein Verlangen nach den Antworten, für die Meteion ihre lange, einsame Reise antrat ... egal, wie schrecklich die Wahrheit auch sein mag.
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