Der Lodestone

Geheime Geschichten aus den Schatten

Protokoll der Achten Katastrophe

Als Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des Lichts

<biep> Systemaufzeichnung ...

Protokoll der Achten Katastrophe.

Basierend auf den Aussagen und Aktivitäten von Cid Garlond.

Doma und Ala Mhigo hatten sich gegen die garleische Herrschaft aufgelehnt und ihre Unabhängigkeit zurückerlangt. Das heizte auch die Unabhängigkeitsbewegungen in anderen Provinzen des Garleischen Kaiserreichs an. Während die Eorzäische Allianz und die Allianz des Fernen Ostens den aufwallenden Drang nach Freiheit unterstützten, mobilisierten die Garlear ihre Truppen, um die Unruhen im Keim zu ersticken. Als die Armee des Kaiserreichs ins Grenzgebiet von Ala Mhigo einmarschierte und Friedensverhandlungen scheiterten, prallten kurz darauf die großen Truppenverbände beider Seiten in der Ghimlyt-Finsternis aufeinander.
Zunächst sah es ganz danach aus, als seien die Garlear nicht zu stoppen, doch nach langen, harten Kämpfen gelang es den vereinten Streitkräften beider Allianzen doch, die Invasoren zurückzuschlagen. Cid sah den Grund dafür darin, dass die Soldaten der Allianz für die Freiheit ihrer Heimat kämpften, während die garleischen Soldaten, die aus allen Teilen des Kaiserreichs eingezogen wurden, nur ihre Pflicht erfüllten. Das ist eine unlogische Erklärung, die sich meinem Verständnis entzieht. Eine schlüssige Erklärung ist vielmehr, dass die Verteidiger vom Bund der Morgenröte unterstützt wurden. Die Kampfkraft seiner Mitglieder könnte meinen Berechnungen zufolge durchaus den entscheidenden Ausschlag zum Sieg gebracht haben.

Dann kam der Tag, der die Katastrophe einläutete.

Cid Garlond war mit seinen engsten Mitarbeitern in das Kargland gereist, um dort die Seiryu-Barriere zum Schutz gegen eine erneute Invasion der Garlear zu verstärken. Ebenfalls in Cids Gefolgschaft war der aus dem Kaiserreich geflohene Nero Scaeva. Als sie gerade mit ihren Arbeiten begonnen hatten, ereignete sich der Vorfall.

Die erste Nachricht war kurz und ließ das ganze Ausmaß nur vermuten. Cid fasste sie mit nüchternen Worten zusammen: „Auf dem Schlachtfeld in Eorzea wurde eine neue Waffe eingesetzt. Und der Kontakt zu meinen Mitarbeitern in Rhalgrs Wacht ist abgebrochen.“

Die Worte entsprachen durchaus der Realität. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele der Waffe zum Opfer gefallen. Die Garlear hatten im Kampf die „Schwarze Rose“ eingesetzt. Dieses Gift brachte den Äther aller Lebewesen zum Stillstand und führte dadurch innerhalb weniger Atemzüge zum Tod. Der Wirkungsbereich war beachtlich. In Ala Mhigo, dem von der Waffe am stärksten betroffenen Gebiet, gab es kaum Überlebende.

Da der Körper, der mir als Hülle dient, nur über optische Sensoren und Mikrofone verfügt, musste ich viele Informationen nachträglich zusammentragen und archivieren. Zur Zeit des Vorfalls befand ich mich nicht dort, wo die Waffe eingesetzt wurde, sondern tief im Inneren des Vulkans O'Ghomoro. Nur mein gelbgefiederter Begleiter schien irgendetwas zu spüren. Meiner Aufzeichnung zufolge hob er beunruhigt den Kopf. <biep>


<biep> Systemaufzeichnung ...

Protokoll der Achten Katastrophe.

Obwohl ich über keine Sprachfunktion verfüge und als Spielzeug angesehen wurde, sprachen Cid und die anderen oft zu mir. Die in mir gespeicherten Sprachaufzeichnungen enthalten viele Details, die ich im Folgenden zusammenfasse.

Die Schwarze Rose brachte nicht nur zahlreichen Lebewesen den Tod. Das Gift veränderte die ganze Umwelt, indem es die Ätherströme zum Erliegen brachte. Ganze Landstriche dörrten aus und verkamen zu lebensfeindlicher Ödnis.
Von dort aus breitete sich die Paralyse aus und brachte den Äther in den angrenzenden Gebieten aus dem Gleichgewicht. Die Grundstrukturen des Lebens veränderten sich. Zum Beispiel wurden einige Pflanzen, die bisher zu den Hauptnahrungsmitteln zählten, plötzlich hochgiftig. Diese Veränderungen hatten viele weitere Todesopfer zur Folge, bis sich schließlich die Staatengebilde und mit ihnen der gesellschaftliche Zusammenhalt nahezu völlig auflösten.
Der Wandel machte auch vor den Grenzen des Garleischen Kaiserreichs nicht Halt. Die militärische Macht und das gesellschaftliche Leben der Garlear basierten auf ihrer Magitek und der Energie, die sie aus dem Erdseim extrahierten. Doch in der von der Schwarzen Rose betäubten Welt ging die besondere Kraft des Erdseims verloren. Die einst mächtigen Magitek-Kampfmaschinen standen still und verkamen zu nutzlosem Schrott.

Den von Tod und Veränderung bedrohten Lebewesen blieb nur der nackte Kampf ums Überleben.
Sie kämpften mit aller Kraft, die ihnen geblieben war.
Sie suchten nach den letzten Zufluchtsorten, an denen sie überleben konnten.
Sie suchten nach stetig schwindenden Ressourcen.
Sie waren getrieben von ihren niedersten Instinkten, Angst, Gier und Rachsucht.
Die meisten Opfer forderten die Kämpfe, die sie unter- und gegeneinander führten.

Cid und seine Leute sprachen oft davon, dass die Welt in einem Sumpf aus Gewalt versinkt. Mir ist nicht klar, was ein Sumpf- ein zähes, trübes Feuchtgebiet- mit Gewalt zu tun hat. Vermutlich ist es eine Metapher für eine Lage, aus der man sich nur schwer befreien kann. Diese Hypothese werde ich anhand meiner Aufzeichnungen verifizieren.

Jedenfalls führte dieser Umstand dazu, dass die Bewohner der Welt den Halt verloren, den ihre Kulturen und ihre Gesellschaften geboten hatten. Meiner Analyse zufolge kehrten sie in einen beinahe animalischen Urzustand zurück. Nur einige wenige Subjekte bewahrten sich ihr logisches Verhalten. Oder, wie sie es nannten: „Mitgefühl und Ehre“. Dazu gehörten auch die Mitarbeiter der Garlond-Metallwerke.

Sie stemmten sich gegen den Untergang und nahmen gewaltige Anstrengungen auf sich, um die Schwachen zu beschützen und die Gewalttäter zu bestrafen. Dabei gewannen sie den ein oder anderen Verbündeten, doch sie verloren auch einen Gefährten nach dem anderen. Der Lalafell-Techniker baute in einem Dorf einen Brunnen. Auf dem Rückweg wurde er von Räubern überfallen und tödlich verwundet. Er war zu schwach.
Sein ständiger Begleiter, der große Techniker, wich nicht von der Seite des Verwundeten. Er hielt seine Hand und sprach zu ihm. Da öffnete der Lalafell kurz seine Augen und sprach unter großen Schmerzen: „Lebe, mein Freund! Lebe und liebe, und gründe eine glückliche Familie mit vielen Kindern.“ Der kräftige Roegadyn schnappte nach Luft. „Dasselbe wünsche ich dir...“, seine Stimme bebte, doch er hielt weiter die Hand seines kleinen Freundes. Über dessen ausgezehrtes Gesicht huschte ein kurzes Lächeln, als er erwiderte: „Ach, ich hänge doch noch viel zu sehr an Tataru.“
Mein gefiederter Begleiter schmiegte sich an ihn und vergoss leise Tränen...

Als die Tränen vertrocknet waren, versammelten sich Cid und die anderen Überlebenden in einem Zimmer ihres Unterschlupfes und diskutierten viele Stunden lang. Ihnen war klar, dass sie allein aus eigener Kraft den Untergang der Welt nicht aufhalten konnten. Doch sie hofften, mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem vereinten Wissen irgendwie doch noch einen möglichen Ausweg zu finden. Sie ahnten, dass sie dafür sich selbst und alle, die zu ihrer Zeit lebten, gefährden müssten. Cid nickte und sagte: „Unser Opfer wird nicht umsonst und unser Leben nicht sinnlos gewesen sein.“ Und so beschlossen sie einen verwegenen Plan. <biep>

<biep> Systemaufzeichnung ...

Fortsetzung des Protokolls der Achten Katastrophe.

Den Schlüssel zur Rettung der Welt suchten die Mitglieder der Garlond-Metallwerke in einem besseren Verständnis der Wirkungsweise der Schwarzen Rose. Sie erforschten, warum das Gift eine so gewaltige Wirkung entfalten und die Achte Katastrophe auslösen konnte. Und sie suchten nach einer Methode, diese Wirkung grundlegend auszuhebeln. Dafür blieb ihnen nur ein Weg: Sie mussten den Lauf der Geschichte ändern, damit die Achte Katastrophe gar nicht erst eintritt. Ihrer Erfahrung nach lag das durchaus im Bereich des Möglichen. Viele waren gegen diesen Plan, was ich durchaus logisch nachvollziehen kann. Tiere machen sich nur Gedanken über die Gegenwart und vielleicht noch die nahe Zukunft. Cids Ausführungen überstiegen bei Weitem ihr beschränktes Vorstellungsvermögen.

Manche kehrten Cids Gruppe den Rücken.
Andere unterstützten sie nach Kräften.
Viele gierten nach ihren wertvollen Materialien und schreckten nicht vor Gewalt zurück.
Den meisten war nicht zu trauen, aber zum Glück war auf die wenigen Verlass, auf die es ankam.

Um die Ursache der Achten Katastrophe zu verhindern, boten Meister der Magiekunde und Ätherologie ihre Hilfe an. Sie hofften, durch ihre Bemühungen nicht nur die Katastrophe, sondern auch den Tod des Kriegers des Lichts verhindern zu können. Deshalb war es in ihren Augen wert, die zahlreichen Risiken einzugehen, die mit ihrem Vorhaben verbunden waren. Ihre „Freundschaft“ zu dem Helden schien sie aus irgendeinem Grund dazu zu verpflichten.

Die Erklärung, dass die Veränderung des Zeitstrahls bedeuten würde, dass der Krieger des Lichts überlebt, überzeugte viele Zweifler. Sammler, denen selbst kaum genug zum Leben blieb, lieferten Nahrungsmittel. Ausgezehrte Handwerker boten ihre Dienste an. Auch sie wollten sich für den Abenteurer einsetzen, der in der Vergangenheit so viel für sie getan hatte. Unter den Helfern waren auch Namazuo, einfache Kreaturen, die aber ein erstaunliches Verständnis über alternative Zeitverläufe an den Tag legten. Einer von ihnen sagte: „Seigetsu, der Wind der Weisheit, hat uns eine ganz andere Zukunft prophezeit. Die Große Flosse hat für uns eine Welt ohne die Achte Katastrophe vorgesehen!“ Über die Bedeutung dieser Worte wurde ich mir nicht schlüssig. Vorerst werde ich die Aufnahme zur weiteren Analyse speichern.

Mit Voranschreiten des Projekts kamen immer neue Helfer hinzu.
Als zum Beispiel wichtige Forschungsunterlagen transportiert werden mussten, kam ein großes Luftschiff angeflogen, das von einer blonden Luftpiratin befehligt wurde. Sie rief: „Meine Mutter, die vor mir die Königin der Lüfte war, hat mir erzählt, wie sie von dem Krieger des Lichts gerettet wurde. Ich als ihre Tochter werde heute diese Familienschuld begleichen!“
Mitstreiter, die in die entlegensten Winkel der Welt reisten, um zu forschen und Experimente durchzuführen, berichteten davon, wie sie von wundersamen Wesen beschützt wurden. Eine Forscherin berichtete, wie sie auf der Überfahrt über die Rubinsee angegriffen wurde und ins Meer stürzte. Als sie wieder zu sich kam, lag sie an einem Strand und sah mit verschwommenem Blick ein Wesen vor sich, das sie an eine Echse oder Schildkröte erinnerte. Diese Kreatur hatte sie wohl aus dem Wasser gezogen und gesund gepflegt.
Als ein anderer Forscher auf dem Sohm Al verunglückte, wurde er von einem riesigen Wesen mit weißen Flügeln gerettet. Er behauptete, es handelte sich dabei um einen Drachen, aber das ist fraglich, denn die Drachen haben die Gegend längst verlassen, weil sie nicht in die Kriege der Zweibeiner verwickelt werden wollten.

Diese Vorfälle stehen zwar nicht in direkter Verbindung zum Krieger des Lichts, aber sie ereigneten sich alle in Gegenden, in denen er bedeutende Abenteuer erlebt hatte. Manche behaupteten daher, auch diese Wesen hätten ihm zuliebe in das Geschehen eingegriffen.

So vergingen viele Jahre bis zum heutigen Tag.
Soeben schrieb der alte Cid die letzte Zeile seiner Forschungsarbeit nieder.
Er atmete tief durch und blickte zu dem ebenfalls stark gealterten Nero auf, der, wie immer in den letzten Jahrzehnten, in denen ich ihn beobachtet habe, recht gleichgültig wirkte. Er zuckte gelangweilt mit den Achseln und sprach:

„Na ja, sieht doch gar nicht so übel aus.“

Das klang nicht gerade anerkennend.

Doch Cid schloss die Augen, atmete tief durch und begann zu lachen. Langsam stand er auf, ging zu dem Ätherkessel hinter sich und füllte Kaffee in zwei Metallbecher. Einen davon reichte er Nero und sie stießen ihre Becher kurz aneinander, bevor sie tranken. Beachtenswert ist, dass sich Nero heute zum ersten Mal nicht über den Geschmack des Kaffees beklagte. Eine Weile blickte Cid still auf den Papierstapel, den sie gemeinsam mit ihren Theorien und Formeln gefüllt hatten, und sagte dann schließlich:

„Glaubst du, wir können das in die Tat umsetzen?“

„Tja, schwer zu sagen. Ich war schon oft von einer Theorie überzeugt, die sich dann in der Praxis als falsch herausgestellt hat. Ich schätze, das wird von den Jungspunden abhängen.“

„Ja, das wird es...“

Daraufhin schwiegen sie. Zwischen ihnen schien sich irgendetwas lautlos abzuspielen, das nur ihre Art wahrnehmen kann. Mit meinen eingeschränkten Sensoren konnte ich ihre Gedanken nicht registrieren. Doch ich habe eine Hypothese, die auf meinen Erfahrungen mit ihnen beruht.

Ihre Theorien basieren auf den Abenteuern im Kristallturm, in Alexander und in der Alphametrie. All die dort gewonnenen Erkenntnisse lassen sich in einfachen Worten zusammenfassen, in denselben Worten, die auch das Ende eines Lebens markieren.

„Schlaf gut.“

Eine eigentlich simple Phrase, deren Antwort erst nach Stunden der Stille folgt. Wenn die Sonne den morgendlichen Himmel rot färbt und der lange Schlummer ein Ende nimmt.

Dieser Tag scheint in weiter Ferne zu liegen, doch sie geben nicht auf.

Auch ohne passende Sensoren kann ich ihre Gedanken lesen... <surr>
<biep> Systemaufzeichnung ...

Protokoll der Achten Katastrophe.

Basierend auf den Aussagen und Aktivitäten von Cid Garlond.

Doma und Ala Mhigo hatten sich gegen die garleische Herrschaft aufgelehnt und ihre Unabhängigkeit zurückerlangt. Das heizte auch die Unabhängigkeitsbewegungen in anderen Provinzen des Garleischen Kaiserreichs an. Während die Eorzäische Allianz und die Allianz des Fernen Ostens den aufwallenden Drang nach Freiheit unterstützten, mobilisierten die Garlear ihre Truppen, um die Unruhen im Keim zu ersticken. Als die Armee des Kaiserreichs ins Grenzgebiet von Ala Mhigo einmarschierte und Friedensverhandlungen scheiterten, prallten kurz darauf die großen Truppenverbände beider Seiten in der Ghimlyt-Finsternis aufeinander.
Zunächst sah es ganz danach aus, als seien die Garlear nicht zu stoppen, doch nach langen, harten Kämpfen gelang es den vereinten Streitkräften beider Allianzen doch, die Invasoren zurückzuschlagen. Cid sah den Grund dafür darin, dass die Soldaten der Allianz für die Freiheit ihrer Heimat kämpften, während die garleischen Soldaten, die aus allen Teilen des Kaiserreichs eingezogen wurden, nur ihre Pflicht erfüllten. Das ist eine unlogische Erklärung, die sich meinem Verständnis entzieht. Eine schlüssige Erklärung ist vielmehr, dass die Verteidiger vom Bund der Morgenröte unterstützt wurden. Die Kampfkraft seiner Mitglieder könnte meinen Berechnungen zufolge durchaus den entscheidenden Ausschlag zum Sieg gebracht haben.

Dann kam der Tag, der die Katastrophe einläutete.

Cid Garlond war mit seinen engsten Mitarbeitern in das Kargland gereist, um dort die Seiryu-Barriere zum Schutz gegen eine erneute Invasion der Garlear zu verstärken. Ebenfalls in Cids Gefolgschaft war der aus dem Kaiserreich geflohene Nero Scaeva. Als sie gerade mit ihren Arbeiten begonnen hatten, ereignete sich der Vorfall.

Die erste Nachricht war kurz und ließ das ganze Ausmaß nur vermuten. Cid fasste sie mit nüchternen Worten zusammen: „Auf dem Schlachtfeld in Eorzea wurde eine neue Waffe eingesetzt. Und der Kontakt zu meinen Mitarbeitern in Rhalgrs Wacht ist abgebrochen.“

Die Worte entsprachen durchaus der Realität. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele der Waffe zum Opfer gefallen. Die Garlear hatten im Kampf die „Schwarze Rose“ eingesetzt. Dieses Gift brachte den Äther aller Lebewesen zum Stillstand und führte dadurch innerhalb weniger Atemzüge zum Tod. Der Wirkungsbereich war beachtlich. In Ala Mhigo, dem von der Waffe am stärksten betroffenen Gebiet, gab es kaum Überlebende.

Da der Körper, der mir als Hülle dient, nur über optische Sensoren und Mikrofone verfügt, musste ich viele Informationen nachträglich zusammentragen und archivieren. Zur Zeit des Vorfalls befand ich mich nicht dort, wo die Waffe eingesetzt wurde, sondern tief im Inneren des Vulkans O'Ghomoro. Nur mein gelbgefiederter Begleiter schien irgendetwas zu spüren. Meiner Aufzeichnung zufolge hob er beunruhigt den Kopf. <biep>


<biep> Systemaufzeichnung ...

Protokoll der Achten Katastrophe.

Obwohl ich über keine Sprachfunktion verfüge und als Spielzeug angesehen wurde, sprachen Cid und die anderen oft zu mir. Die in mir gespeicherten Sprachaufzeichnungen enthalten viele Details, die ich im Folgenden zusammenfasse.

Die Schwarze Rose brachte nicht nur zahlreichen Lebewesen den Tod. Das Gift veränderte die ganze Umwelt, indem es die Ätherströme zum Erliegen brachte. Ganze Landstriche dörrten aus und verkamen zu lebensfeindlicher Ödnis.
Von dort aus breitete sich die Paralyse aus und brachte den Äther in den angrenzenden Gebieten aus dem Gleichgewicht. Die Grundstrukturen des Lebens veränderten sich. Zum Beispiel wurden einige Pflanzen, die bisher zu den Hauptnahrungsmitteln zählten, plötzlich hochgiftig. Diese Veränderungen hatten viele weitere Todesopfer zur Folge, bis sich schließlich die Staatengebilde und mit ihnen der gesellschaftliche Zusammenhalt nahezu völlig auflösten.
Der Wandel machte auch vor den Grenzen des Garleischen Kaiserreichs nicht Halt. Die militärische Macht und das gesellschaftliche Leben der Garlear basierten auf ihrer Magitek und der Energie, die sie aus dem Erdseim extrahierten. Doch in der von der Schwarzen Rose betäubten Welt ging die besondere Kraft des Erdseims verloren. Die einst mächtigen Magitek-Kampfmaschinen standen still und verkamen zu nutzlosem Schrott.

Den von Tod und Veränderung bedrohten Lebewesen blieb nur der nackte Kampf ums Überleben.
Sie kämpften mit aller Kraft, die ihnen geblieben war.
Sie suchten nach den letzten Zufluchtsorten, an denen sie überleben konnten.
Sie suchten nach stetig schwindenden Ressourcen.
Sie waren getrieben von ihren niedersten Instinkten, Angst, Gier und Rachsucht.
Die meisten Opfer forderten die Kämpfe, die sie unter- und gegeneinander führten.

Cid und seine Leute sprachen oft davon, dass die Welt in einem Sumpf aus Gewalt versinkt. Mir ist nicht klar, was ein Sumpf- ein zähes, trübes Feuchtgebiet- mit Gewalt zu tun hat. Vermutlich ist es eine Metapher für eine Lage, aus der man sich nur schwer befreien kann. Diese Hypothese werde ich anhand meiner Aufzeichnungen verifizieren.

Jedenfalls führte dieser Umstand dazu, dass die Bewohner der Welt den Halt verloren, den ihre Kulturen und ihre Gesellschaften geboten hatten. Meiner Analyse zufolge kehrten sie in einen beinahe animalischen Urzustand zurück. Nur einige wenige Subjekte bewahrten sich ihr logisches Verhalten. Oder, wie sie es nannten: „Mitgefühl und Ehre“. Dazu gehörten auch die Mitarbeiter der Garlond-Metallwerke.

Sie stemmten sich gegen den Untergang und nahmen gewaltige Anstrengungen auf sich, um die Schwachen zu beschützen und die Gewalttäter zu bestrafen. Dabei gewannen sie den ein oder anderen Verbündeten, doch sie verloren auch einen Gefährten nach dem anderen. Der Lalafell-Techniker baute in einem Dorf einen Brunnen. Auf dem Rückweg wurde er von Räubern überfallen und tödlich verwundet. Er war zu schwach.
Sein ständiger Begleiter, der große Techniker, wich nicht von der Seite des Verwundeten. Er hielt seine Hand und sprach zu ihm. Da öffnete der Lalafell kurz seine Augen und sprach unter großen Schmerzen: „Lebe, mein Freund! Lebe und liebe, und gründe eine glückliche Familie mit vielen Kindern.“ Der kräftige Roegadyn schnappte nach Luft. „Dasselbe wünsche ich dir...“, seine Stimme bebte, doch er hielt weiter die Hand seines kleinen Freundes. Über dessen ausgezehrtes Gesicht huschte ein kurzes Lächeln, als er erwiderte: „Ach, ich hänge doch noch viel zu sehr an Tataru.“
Mein gefiederter Begleiter schmiegte sich an ihn und vergoss leise Tränen...

Als die Tränen vertrocknet waren, versammelten sich Cid und die anderen Überlebenden in einem Zimmer ihres Unterschlupfes und diskutierten viele Stunden lang. Ihnen war klar, dass sie allein aus eigener Kraft den Untergang der Welt nicht aufhalten konnten. Doch sie hofften, mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem vereinten Wissen irgendwie doch noch einen möglichen Ausweg zu finden. Sie ahnten, dass sie dafür sich selbst und alle, die zu ihrer Zeit lebten, gefährden müssten. Cid nickte und sagte: „Unser Opfer wird nicht umsonst und unser Leben nicht sinnlos gewesen sein.“ Und so beschlossen sie einen verwegenen Plan. <biep>

<biep> Systemaufzeichnung ...

Fortsetzung des Protokolls der Achten Katastrophe.

Den Schlüssel zur Rettung der Welt suchten die Mitglieder der Garlond-Metallwerke in einem besseren Verständnis der Wirkungsweise der Schwarzen Rose. Sie erforschten, warum das Gift eine so gewaltige Wirkung entfalten und die Achte Katastrophe auslösen konnte. Und sie suchten nach einer Methode, diese Wirkung grundlegend auszuhebeln. Dafür blieb ihnen nur ein Weg: Sie mussten den Lauf der Geschichte ändern, damit die Achte Katastrophe gar nicht erst eintritt. Ihrer Erfahrung nach lag das durchaus im Bereich des Möglichen. Viele waren gegen diesen Plan, was ich durchaus logisch nachvollziehen kann. Tiere machen sich nur Gedanken über die Gegenwart und vielleicht noch die nahe Zukunft. Cids Ausführungen überstiegen bei Weitem ihr beschränktes Vorstellungsvermögen.

Manche kehrten Cids Gruppe den Rücken.
Andere unterstützten sie nach Kräften.
Viele gierten nach ihren wertvollen Materialien und schreckten nicht vor Gewalt zurück.
Den meisten war nicht zu trauen, aber zum Glück war auf die wenigen Verlass, auf die es ankam.

Um die Ursache der Achten Katastrophe zu verhindern, boten Meister der Magiekunde und Ätherologie ihre Hilfe an. Sie hofften, durch ihre Bemühungen nicht nur die Katastrophe, sondern auch den Tod der Kriegerin des Lichts verhindern zu können. Deshalb war es in ihren Augen wert, die zahlreichen Risiken einzugehen, die mit ihrem Vorhaben verbunden waren. Ihre „Freundschaft“ zu der Heldin schien sie aus irgendeinem Grund dazu zu verpflichten.

Die Erklärung, dass die Veränderung des Zeitstrahls bedeuten würde, dass die Kriegerin des Lichts überlebt, überzeugte viele Zweifler. Sammler, denen selbst kaum genug zum Leben blieb, lieferten Nahrungsmittel. Ausgezehrte Handwerker boten ihre Dienste an. Auch sie wollten sich für die Abenteurerin einsetzen, die in der Vergangenheit so viel für sie getan hatte. Unter den Helfern waren auch Namazuo, einfache Kreaturen, die aber ein erstaunliches Verständnis über alternative Zeitverläufe an den Tag legten. Einer von ihnen sagte: „Seigetsu, der Wind der Weisheit, hat uns eine ganz andere Zukunft prophezeit. Die Große Flosse hat für uns eine Welt ohne die Achte Katastrophe vorgesehen!“ Über die Bedeutung dieser Worte wurde ich mir nicht schlüssig. Vorerst werde ich die Aufnahme zur weiteren Analyse speichern.

Mit Voranschreiten des Projekts kamen immer neue Helfer hinzu. Als zum Beispiel wichtige Forschungsunterlagen transportiert werden mussten, kam ein großes Luftschiff angeflogen, das von einer blonden Luftpiratin befehligt wurde. Sie rief: „Meine Mutter, die vor mir die Königin der Lüfte war, hat mir erzählt, wie sie von der Kriegerin des Lichts gerettet wurde. Ich als ihre Tochter werde heute diese Familienschuld begleichen!“
Mitstreiter, die in die entlegensten Winkel der Welt reisten, um zu forschen und Experimente durchzuführen, berichteten davon, wie sie von wundersamen Wesen beschützt wurden. Eine Forscherin berichtete, wie sie auf der Überfahrt über die Rubinsee angegriffen wurde und ins Meer stürzte. Als sie wieder zu sich kam, lag sie an einem Strand und sah mit verschwommenem Blick ein Wesen vor sich, das sie an eine Echse oder Schildkröte erinnerte. Diese Kreatur hatte sie wohl aus dem Wasser gezogen und gesund gepflegt.
Als ein anderer Forscher auf dem Sohm Al verunglückte, wurde er von einem riesigen Wesen mit weißen Flügeln gerettet. Er behauptete, es handelte sich dabei um einen Drachen, aber das ist fraglich, denn die Drachen haben die Gegend längst verlassen, weil sie nicht in die Kriege der Zweibeiner verwickelt werden wollten.

Diese Vorfälle stehen zwar nicht in direkter Verbindung zur Kriegerin des Lichts, aber sie ereigneten sich alle in Gegenden, in denen sie bedeutende Abenteuer erlebt hatte. Manche behaupteten daher, auch diese Wesen hätten ihr zuliebe in das Geschehen eingegriffen.

So vergingen viele Jahre bis zum heutigen Tag.
Soeben schrieb der alte Cid die letzte Zeile seiner Forschungsarbeit nieder.
Er atmete tief durch und blickte zu dem ebenfalls stark gealterten Nero auf, der, wie immer in den letzten Jahrzehnten, in denen ich ihn beobachtet habe, recht gleichgültig wirkte. Er zuckte gelangweilt mit den Achseln und sprach:

„Na ja, sieht doch gar nicht so übel aus.“

Das klang nicht gerade anerkennend.

Doch Cid schloss die Augen, atmete tief durch und begann zu lachen. Langsam stand er auf, ging zu dem Ätherkessel hinter sich und füllte Kaffee in zwei Metallbecher. Einen davon reichte er Nero und sie stießen ihre Becher kurz aneinander, bevor sie tranken. Beachtenswert ist, dass sich Nero heute zum ersten Mal nicht über den Geschmack des Kaffees beklagte. Eine Weile blickte Cid still auf den Papierstapel, den sie gemeinsam mit ihren Theorien und Formeln gefüllt hatten, und sagte dann schließlich:

„Glaubst du, wir können das in die Tat umsetzen?“

„Tja, schwer zu sagen. Ich war schon oft von einer Theorie überzeugt, die sich dann in der Praxis als falsch herausgestellt hat. Ich schätze, das wird von den Jungspunden abhängen.“

„Ja, das wird es...“

Daraufhin schwiegen sie. Zwischen ihnen schien sich irgendetwas lautlos abzuspielen, das nur ihre Art wahrnehmen kann. Mit meinen eingeschränkten Sensoren konnte ich ihre Gedanken nicht registrieren. Doch ich habe eine Hypothese, die auf meinen Erfahrungen mit ihnen beruht.

Ihre Theorien basieren auf den Abenteuern im Kristallturm, in Alexander und in der Alphametrie. All die dort gewonnenen Erkenntnisse lassen sich in einfachen Worten zusammenfassen, in denselben Worten, die auch das Ende eines Lebens markieren.

„Schlaf gut.“

Eine eigentlich simple Phrase, deren Antwort erst nach Stunden der Stille folgt. Wenn die Sonne den morgendlichen Himmel rot färbt und der lange Schlummer ein Ende nimmt.

Dieser Tag scheint in weiter Ferne zu liegen, doch sie geben nicht auf.

Auch ohne passende Sensoren kann ich ihre Gedanken lesen... <surr>