Der Lodestone

Geheime Geschichten aus den Schatten

In Vergessenheit

Als Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Krieger des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des LichtsAls Kriegerin des Lichts

Damals, in einer längst vergessenen Zeit, gab es weder Völker noch Götter ... Sie waren eins: Das Urvolk, das auf seinem Planeten mit göttlicher Kraft über die körperliche Welt herrschte.
Umwoben war ihr Gestirn von einem Reich des Äthers, das im Laufe der Äonen viele Namen erhielt, doch in jener Zeit war es als „Die Unterwelt“ bekannt – der Ort, an den die Seelen der Verstorbenen zurückkehren. So wie das Wasser zum Meer fließt und in den Himmel steigt, bevor es erneut auf das Land niedergeht, war die Unterwelt ein grundlegender Bestandteil des Kreislaufs des Lebens. Aus diesem Grund wurde es von dem Urvolk, das trotz seiner gottähnlichen Kräfte nicht die Herrschaft darüber beanspruchen konnte, mit Wohlwollen und Ehrfurcht betrachtet. Sogar mit ihrer großen Weisheit konnten sie nur vage Blicke auf das Reich erhaschen und lediglich einen Bruchteil von dessen Kraft lenken. Es war ihnen unmöglich, den unaufhörlichen Fluss vollständig zu kontrollieren.
Unter denjenigen, die in diesem Zeitalter lebten, gab es jedoch einige Auserwählte, die eine besondere Affinität zur Unterwelt besaßen. Und einer von ihnen sollte alle anderen an Bedeutung und Größe überragen ...

Ein weiterer idyllischer Abend war in Amaurot angebrochen. Die Bürger schlenderten gemächlich durch die Straßen der glänzenden Hauptstadt, identische schwarz gekleidete Gestalten, in sanftes Fackellicht getaucht. Einige verbrachten den Abend in angenehmer Gesellschaft, andere zogen sich früh in ihre Betten zurück – die Beleuchtung erlaubte beides.
Er hatte sich entschieden, die Zeit alleine in einem Park zu verbringen und sich auf den gepflegten Rasen zu legen. Die weite Kapuze seiner Robe war zurückgefallen und weiße Haarsträhnen wurden sichtbar, welche die eigentümliche rote Maske über der oberen Hälfte seines Gesichtes umrahmten – der einzige Teil seiner Kleidung, der ihn von den anderen unterschied. Wer ihn dort sah, mochte glauben, dass er einfach zu den Sternen oder vielleicht den leuchtenden Turmspitzen hinaufschaute. Der Anblick, der sich in seinen Augen spiegelte, war jedoch vollkommen verschieden von dem, was sich gewöhnlichen Leuten bot.

Was er sah, war der Äther – der Stoff, aus dem sich alles zusammensetzte und der vor Leben nur so strahlte. Von den Tiefen des Landes bis zu den Höhen des Firmaments leuchtete sein Licht. Hier und da schwebten Leben, die ihren irdischen Zweck bereits erfüllt hatten, bevor sie plötzlich in der Unterwelt verschwanden.

Er war keineswegs der Einzige, der mit diesem Blick gesegnet war. Doch nur in wenigen war die Gabe so stark wie in ihm. Wenn einer seinen Blick auf einen Gegenstand richtete, musste er sich nur auf den Äther konzentrieren, um all das Leben zu sehen, das in seinen Strömen schwingt. Doch sein Blick war von solcher Schärfe, dass er nicht nur die Seele, den Kern des Lebens selbst, sondern auch subtilste Unterschiede in ihrem Farbton erkennen und verschiedene Leben auseinanderhalten konnte. Aufgrund dieser transzendenten Fähigkeit wurde er oft mit den Bewohnern der Unterwelt selbst verglichen.

Eine Weile starrte er weiter in den Himmel, beobachtete den Tanz des Äthers und hing seinen Gedanken nach, als das sanfte Geräusch des Grases unter nahenden Füßen die Anwesenheit eines anderen ankündigte. Er schloss die Augen fest, als wollte er die lästige Störung beiseiteschieben, aber die Schritte kamen näher, bis sich schließlich eine Stimme erhob.
„Ich habe die Nachricht gehört. Meinen Glückwunsch, Hades ... oder sollte ich dich lieber den ehrenwerten Emet-Selch vom Konvent der Vierzehn nennen?“
Wenn ich vorgebe, ihn nicht zu bemerken, lässt er mich vielleicht in Ruhe, dachte er, ohne daran zu glauben. Und wie erwartet wollte der Besitzer der Stimme nicht gehen, sondern blieb mit dem irritierenden Grinsen stehen, das ebenso ein Teil seines Gesichts zu sein schien wie seine Maske. Mit gespielter Mühseligkeit richtete er sich auf, und nachdem er die Kapuze über seinen Kopf gestreift hatte, wandte er sich missmutig an den ungebetenen Besucher.
„Es gibt nichts zu gratulieren. Ich fülle nur eine Vakanz. Eine, die, wie ich dich erinnern möchte, nur entstanden ist, weil du das Amt abgelehnt hast.“
„Komm schon, es ging an den Kandidaten mit der besten Eignung. Du vermagst es, praktischen Nutzen aus dem zu ziehen, was du siehst. Ich genieße den Anblick nur um seiner selbst willen.“
„Mir scheint, das wirft die Frage nach deiner Eignung für dein eigenes Amt auf. Vielleicht werde ich diese Angelegenheit einmal im Palast der Rede aufgreifen.“
Während er diese Worte sagte, blitzten seine Augen durch die Maske wie Dolche, aber wie beide wussten, diente die Drohung nur dazu, Hythlodaeus – Leiter des Büros des Architekten und ein enger Freund – ein Schnauben der Belustigung zu entlocken. Der Mann trug eine schwarzes Robe und eine weiße Maske und hatte nichts, was ihn von anderen unterscheidbar machen könnte. Doch wie Hades war er ungewöhnlich begabt darin, die Unterwelt zu betrachten. Vielleicht war sein Blick sogar etwas schärfer, tiefer. Er trennte die bloße Erscheinung und die wahre Essenz so deutlich wie Tag und Nacht. Dies machte ihn zuhöchst geeignet für die oberste Position im Büro des Architekten, der Institution, die die Erstellung von Konzepten beaufsichtigte. Obwohl seine Vorstellungskraft etwas zu wünschen übrigließ.

„Gibt es noch etwas?“, sagte er ungeduldig zu Hythlodaeus und bereute es sofort, als er sah, wie sich das Grinsen auf dessen Gesicht ausdehnte.
„In der Tat, ja. Hast du ihn über deine Ernennung in Kenntnis gesetzt?“
„Nicht notwendig. Das Memorandum wird das für mich erledigen, wenn nicht der Klatsch auf der Straße. Gerüchte über die Vierzehn verbreiten sich in der Regel schnell.“
„Wenn du meine Meinung hören willst, sollte eine solch bedeutsame Nachricht persönlich übermittelt werden. Soll ich ihn suchen? Es wird nicht mehr als einen Moment dauern.“
„Darum habe ich nicht gebeten und ich lehne es respektvoll ab. Du hast wichtigere Angelegenheiten zu erledigen und ich möchte dich nicht davon abhalten.“

Zum ersten Mal wurde das Grinsen auf Hythlodaeus‘ Lippen schmaler und sein Kopf neigte sich fragend, wie sein Freund diesen Umstand erraten haben konnte. Und obwohl Hades sicher war, dass er es bereuen würde, die unausgesprochene Frage zu beantworten, gab er schließlich der Stille nach. Seufzend setzte er hinzu:
„Gerade eben erhieltest du Besuch aus Lahabreas Worten. Dies kann nur bedeuten, dass du mit einer Untersuchung von erheblicher Bedeutung beauftragt wurdest und keinerlei Zeit zu verschwenden haben solltest. Dass du mich aber nun aufsuchst, legt die Vermutung nahe, dass du dich mit mir beratschlagen – ja, mich vielleicht sogar um etwas bitten möchtest.“
Für einen Moment schwieg Hythlodaeus, so als würde er über die Worte nachdenken. Dann begannen seine Schultern vor Lachen zu beben.
„Das trifft mich, alter Freund! Ich habe dich nur zufällig hier liegen sehen und wollte dir meine Glückwünsche aussprechen.“ Als er fortfuhr, nahm seine Stimme einen schelmischen Unterton an. „Und ich gehe davon aus, dass du angesichts deiner neuen Aufgaben noch weniger Zeit hast als ich. Nicht, dass du dich jemals über das Maß angestrengt hättest – außer wenn du einen Weg siehst, dir schnellstmöglich einen Vorteil zu verschaffen.“
Obwohl sie im Scherz gesagt war, verbesserte die ungebetene Kritik seine Stimmung keineswegs. „Du hast deine Glückwünsche übermittelt“, sagte er gereizt. „Wenn es nichts Weiteres gibt, werde ich nun meiner Wege gehen.“ Dann drehte er sich um und schickte sich an, den Platz zu überqueren.
Als Hythlodaeus dies sah, änderte er hastig seinen Tonfall. „Warte. Wie du schon sagtest, wünsche ich deinen Rat ... und ja, ich habe auch eine Bitte. Würdest du mich bitte ausreden lassen, erlauchter Emet-Selch?“
„Ein unsterblicher Vogel?“, wiederholte Hades, als sie durch den inneren Bereich des Büros des Architekten gingen.
Hythlodaeus nickte. „Um genau zu sein, ist es kein lebendiges, natürliches Wesen, sondern Magie, verwoben in die Gestalt eines Vogels. Eine, die mächtige Heilkräfte birgt. Und, wie es sich für ein Meisterwerk aus Lahabreas Worten gehört, ist es vorzüglich gestaltet.“
„Das bezweifle ich nicht. Also, was ist dann das Problem?“
„Wie gesagt, es ist kein natürliches Lebewesen. Das vorgeschlagene Konzept war eine magische Vogelgestalt. Sieh selbst ...“

Hythlodaeus streckte eine Hand nach dem riesigen Tor aus, das vor ihnen stand. Lautlos öffneten sich die hoch aufragenden Türen ... und er zuckte zusammen bei dem ohrenbetäubenden Schrei, der ihnen von innen entgegenhallte. Er runzelte die Stirn und trat über die Schwelle, um einen prächtigen Vogel über sich kreisen zu sehen, dessen Federn auf märchenhafte Weise loderten. Nachdem er die unbestreitbare Schönheit der Kreatur zur Kenntnis genommen hatte, dauerte es nur einen kurzen Moment, bis er sich des Problems gewahr wurde – ein feines Leuchten, das aus dem Inneren des Vogels strahlte. Ihm stockte der Atem.
„Er hat eine Seele ... Wie ist das möglich?“

Durch die Beherrschung der Schöpfungsmagie konnte ein in den Künsten Gebildeter alles ins Dasein rufen. Alles, was er sich vorzustellen in der Lage war, vermochte er hervorzubringen – nur keine Seele. Seelen, so hatte es Hades gelernt, entstanden spontan in Lebewesen, die nach den Gesetzen der Natur geboren wurden. Sie waren ein Geschenk des Planeten, von dem angenommen wurde, dass es nicht durch Schöpfungsmagie nachzubilden sei. Kein künstliches Wesen, egal wie geschickt als Nachahmung der Natur gewoben, konnte eine Seele besitzen. Solche Kreationen, magische Lebewesen genannt, waren nicht mit den Geschenken der Natur zu vergleichen.

„Es gab einen unvorhersehbaren Zwischenfall“, begann Hythlodaeus seine Erklärung. „Während einer Prüfung des Konzepts ist eine treibende Seele mit ihm verschmolzen – eine Seele, gefüllt mit abgrundtiefer Enttäuschung, wenn man vom Verhalten des Vogels darauf schließen kann. Sie sträubt sich gegen den Sog der Unterwelt.“
Während er zuhörte, hielt Hades seinen Blick auf die Kreatur gerichtet, die in rasender Wut durch die Luft fegte. Kaum war sie in einer Wolke geborstener Federn gegen eine Wand geprallt, heilte sie sich selbst und begann von Neuem. Dieser selbstzerstörerische Tanz entfaltete sich immer wieder, und die Kreatur blies gelegentlich ihre überschüssigen magischen Reserven – oder ihre Wut – als feurigen Atem von sich.
Als er diese gequälte Erscheinung sah, strömten seine Gedanken über seine Lippen. „Von der Angst vor dem Tod verzehrt, windet es sich in seiner Unwissenheit. Es wird nur Schmerz und Leid kennen und anderen Schaden zufügen. Welch ein erbärmliches Dasein.“
„Ich staune über dein Einfühlungsvermögen. Es ist, als ob du seine Federn selbst tragen würdest.“
Er winkte ab. „Vergiss, was ich gesagt habe. Es war eine Laune, nichts weiter. Nun sag mir aber, was du damit zu machen gedenkst? Meisterwerk oder nicht, wir können es nicht einfach so lassen, wie es ist.“
Da drehte sich Hythlodaeus zu ihm um. Das irritierende Lächeln kehrte zurück auf seine Lippen, und wieder spürte er einen Stich des Bedauerns. „Da es auf gewisse Weise unsterblich ist, haben wir nicht die Möglichkeit, es in die Unterwelt zurückzuführen. Unsere Bemühungen würden ihm nur weh tun. Nein, wir brauchen die Dienste eines mächtigen Magiers ... und ich kenne keinen mächtigeren als dich.“

Wieder warf er seinem Freund, dessen Grinsen noch breiter geworden war, grimmige Blicke entgegen. Aber anstatt ihm das Vergnügen heftiger Widerworte zu bereiten, beschloss er, sein Gegenüber in die Schuld zu nehmen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, konzentrierte er sich und als er es tat, schwankte und tanzte seine Silhouette. Dann, als würde sich ein Schatten verlängern, begann sich seine Form plötzlich auf dramatische Weise zu verändern.
Durch das Rauschen des sich sammelnden Äthers hörte er Hythlodaeus sagen: „Es beeindruckt mich doch immer wieder.“
Er wusste genau, was sein Freund sah – die ungezügelte Kraft der Unterwelt, die in sein Wesen strömte. In solchen Momenten fühlte er sich eins mit dem Fluss. Obwohl Magier alles andere als selten waren, konnte man auch unter den anderen der Vierzehn keinen finden, der solche Macht innehatte.
Nach kurzer Zeit war die Verwandlung abgeschlossen und Hythlodaeus musste seinen Kopf in den Nacken legen. „In der Tat gibt es keinen besseren Kandidaten. Gestatte mir, dir noch einmal zu gratulieren, Emet-Selch.“
Er atmete aus, ein Seufzer vermischte sich mit Lachen. Dann wandte er sich dem Vogel zu und machte sich an die Arbeit.

„Majestät. Eure Majestät!“
Die Stimme kam aus einiger Entfernung, ungeduldig und beharrlich. Schläfrig öffnete er die Augen und konzentrierte sich im Dunst des Schlafes versehentlich auf den Ätherfluss – die Gewohnheit von Äonen. Anders als vor Urzeiten gab es jedoch keinen strahlenden Glanz, der seinen Anblick begrüßte, sondern nur ein fahles, kränkliches Leuchten. Das letzte Flackern einer Kerze, wo einst eine Flamme loderte. Sein Gesicht verzog sich unwillkürlich vor Abscheu. Er sammelte seine zerstreuten Gedanken und erinnerte sich schließlich, wo er war. Wieder mal im Stuhl eingenickt. Das musste das Alter sein.
„Eure Majestät. Es ist Zeit für meinen Bericht.“
Die Stimme erklang direkt vor ihm. Er warf einen trüben Blick in die Richtung, aus der sie kam, und sah einen jungen Mann, stattlich und mit goldenem Haar, der ihn ängstlich betrachtete. Obwohl noch kurz vor seinem zwanzigsten Geburtstag machte die Falte, die seine Stirn schmückte, sein Enkelkind um Jahre älter. Der Enkel dieses Körpers, korrigierte er sich. Dann erinnerte er sich – der Junge, Varis, drängte darauf, von seinen jüngsten Erfolgen bei der Unterdrückung von Unruhen in der einen oder anderen Provinz zu berichten. Kaum eine Angelegenheit, die ein formelles Publikum rechtfertigte, geschweige denn, ihn dafür zu wecken. Vielleicht hatte er endlich den Mumm gefunden, mit seinen Leistungen zu prahlen. Vielleicht wurde er auch nur von ehrgeizigen Lakaien dazu gebracht. Aber was auch immer die Absicht war, es war nichts anderes als die unbedeutenden Ränkespiele unvollkommener Kreaturen. Müde rappelte er sich auf und begann zur Tür zu schlurfen, aber er war kaum an dem Jungen vorbeigekommen, als es aus diesem herausplatzte.
„Was ist es an mir, das Euch so missfällt?“

Er blieb ob der unerwarteten Ansprache stehen. Er warf einen Blick über die Schulter und sah den schmerzlichen Ausdruck auf dem Gesicht des Jungen. In diesem Moment wirkte er Jahrzehnte älter. Um diese Frage jetzt zu stellen, muss seine Frustration gegenüber seinem Großvater in der Tat gewaltig gewesen sein. Nach einer kurzen Pause antwortete er leise.
„Es ist dein Körper.“
„Was...?“ Die Augen des Jungen zuckten verwirrt, aber er bot ihm kein Wort mehr an, wandte sich ab und verließ den Raum. Als er langsam zum Thronsaal ging, zog sich ein selbstironisches Lächeln auf seine Lippen.

Garlear waren für ihre stämmigen Körper bekannt, doch der Körper, den er trug, war in dieser Hinsicht keineswegs außergewöhnlich, und auch nicht der der Frau, die er zu seiner Gattin genommen hatte. Und doch war ihr erstgeborener Sohn ein erstaunlich großes und robustes Exemplar, das seinesgleichen suchte. Als der Junge wuchs, wurde seine Erscheinung von allen in Ehrfurcht und Bewunderung gehalten, aber für ihn war es eine Quelle großen Verdrusses.
Sie alle waren nichts als missgebildetes Gewürm. Schwach, gebrechlich und dumm. Blind durch ihre flüchtigen, fragmentierten Leben stolpernd, um immer und immer wieder dieselben Fehler zu wiederholen. Niemals könnten sie seine Brüder ersetzen. Doch als er das Neugeborene in seinen Armen wiegte und über das flaumige Haar strich, konnte er nicht anders als zu hoffen. Auf was, das wusste er nicht zu sagen, doch letzten Endes erwies es sich als vergebens. Sein Sohn war irgendeiner absurden Krankheit erlegen und in die Unterwelt zurückgekehrt. Nicht ohne jedoch ein Vermächtnis zurückzulassen – eine beinahe in Vergessenheit geratene, aber doch lebendige, atmende Erinnerung an diesen Moment der Liebkosung und der Schwäche.

Endlich hatte ihn sein gebrechlicher Körper an sein Ziel gebracht. Er blieb vor der Tür stehen, holte tief Luft und schloss die Augen – als wollte er die lästige Störung beiseiteschieben.
Damals, in einer längst vergessenen Zeit, gab es weder Völker noch Götter ... Sie waren eins: Das Urvolk, das auf seinem Planeten mit göttlicher Kraft über die körperliche Welt herrschte.
Umwoben war ihr Gestirn von einem Reich des Äthers, das im Laufe der Äonen viele Namen erhielt, doch in jener Zeit war es als „Die Unterwelt“ bekannt – der Ort, an den die Seelen der Verstorbenen zurückkehren. So wie das Wasser zum Meer fließt und in den Himmel steigt, bevor es erneut auf das Land niedergeht, war die Unterwelt ein grundlegender Bestandteil des Kreislaufs des Lebens. Aus diesem Grund wurde es von dem Urvolk, das trotz seiner gottähnlichen Kräfte nicht die Herrschaft darüber beanspruchen konnte, mit Wohlwollen und Ehrfurcht betrachtet. Sogar mit ihrer großen Weisheit konnten sie nur vage Blicke auf das Reich erhaschen und lediglich einen Bruchteil von dessen Kraft lenken. Es war ihnen unmöglich, den unaufhörlichen Fluss vollständig zu kontrollieren.
Unter denjenigen, die in diesem Zeitalter lebten, gab es jedoch einige Auserwählte, die eine besondere Affinität zur Unterwelt besaßen. Und einer von ihnen sollte alle anderen an Bedeutung und Größe überragen ...

Ein weiterer idyllischer Abend war in Amaurot angebrochen. Die Bürger schlenderten gemächlich durch die Straßen der glänzenden Hauptstadt, identische schwarz gekleidete Gestalten, in sanftes Fackellicht getaucht. Einige verbrachten den Abend in angenehmer Gesellschaft, andere zogen sich früh in ihre Betten zurück – die Beleuchtung erlaubte beides.
Er hatte sich entschieden, die Zeit alleine in einem Park zu verbringen und sich auf den gepflegten Rasen zu legen. Die weite Kapuze seiner Robe war zurückgefallen und weiße Haarsträhnen wurden sichtbar, welche die eigentümliche rote Maske über der oberen Hälfte seines Gesichtes umrahmten – der einzige Teil seiner Kleidung, der ihn von den anderen unterschied. Wer ihn dort sah, mochte glauben, dass er einfach zu den Sternen oder vielleicht den leuchtenden Turmspitzen hinaufschaute. Der Anblick, der sich in seinen Augen spiegelte, war jedoch vollkommen verschieden von dem, was sich gewöhnlichen Leuten bot.

Was er sah, war der Äther – der Stoff, aus dem sich alles zusammensetzte und der vor Leben nur so strahlte. Von den Tiefen des Landes bis zu den Höhen des Firmaments leuchtete sein Licht. Hier und da schwebten Leben, die ihren irdischen Zweck bereits erfüllt hatten, bevor sie plötzlich in der Unterwelt verschwanden.

Er war keineswegs der Einzige, der mit diesem Blick gesegnet war. Doch nur in wenigen war die Gabe so stark wie in ihm. Wenn einer seinen Blick auf einen Gegenstand richtete, musste er sich nur auf den Äther konzentrieren, um all das Leben zu sehen, das in seinen Strömen schwingt. Doch sein Blick war von solcher Schärfe, dass er nicht nur die Seele, den Kern des Lebens selbst, sondern auch subtilste Unterschiede in ihrem Farbton erkennen und verschiedene Leben auseinanderhalten konnte. Aufgrund dieser transzendenten Fähigkeit wurde er oft mit den Bewohnern der Unterwelt selbst verglichen.

Eine Weile starrte er weiter in den Himmel, beobachtete den Tanz des Äthers und hing seinen Gedanken nach, als das sanfte Geräusch des Grases unter nahenden Füßen die Anwesenheit eines anderen ankündigte. Er schloss die Augen fest, als wollte er die lästige Störung beiseiteschieben, aber die Schritte kamen näher, bis sich schließlich eine Stimme erhob.
„Ich habe die Nachricht gehört. Meinen Glückwunsch, Hades ... oder sollte ich dich lieber den ehrenwerten Emet-Selch vom Konvent der Vierzehn nennen?“
Wenn ich vorgebe, ihn nicht zu bemerken, lässt er mich vielleicht in Ruhe, dachte er, ohne daran zu glauben. Und wie erwartet wollte der Besitzer der Stimme nicht gehen, sondern blieb mit dem irritierenden Grinsen stehen, das ebenso ein Teil seines Gesichts zu sein schien wie seine Maske. Mit gespielter Mühseligkeit richtete er sich auf, und nachdem er die Kapuze über seinen Kopf gestreift hatte, wandte er sich missmutig an den ungebetenen Besucher.
„Es gibt nichts zu gratulieren. Ich fülle nur eine Vakanz. Eine, die, wie ich dich erinnern möchte, nur entstanden ist, weil du das Amt abgelehnt hast.“
„Komm schon, es ging an den Kandidaten mit der besten Eignung. Du vermagst es, praktischen Nutzen aus dem zu ziehen, was du siehst. Ich genieße den Anblick nur um seiner selbst willen.“
„Mir scheint, das wirft die Frage nach deiner Eignung für dein eigenes Amt auf. Vielleicht werde ich diese Angelegenheit einmal im Palast der Rede aufgreifen.“
Während er diese Worte sagte, blitzten seine Augen durch die Maske wie Dolche, aber wie beide wussten, diente die Drohung nur dazu, Hythlodaeus – Leiter des Büros des Architekten und ein enger Freund – ein Schnauben der Belustigung zu entlocken. Der Mann trug eine schwarzes Robe und eine weiße Maske und hatte nichts, was ihn von anderen unterscheidbar machen könnte. Doch wie Hades war er ungewöhnlich begabt darin, die Unterwelt zu betrachten. Vielleicht war sein Blick sogar etwas schärfer, tiefer. Er trennte die bloße Erscheinung und die wahre Essenz so deutlich wie Tag und Nacht. Dies machte ihn zuhöchst geeignet für die oberste Position im Büro des Architekten, der Institution, die die Erstellung von Konzepten beaufsichtigte. Obwohl seine Vorstellungskraft etwas zu wünschen übrigließ.

„Gibt es noch etwas?“, sagte er ungeduldig zu Hythlodaeus und bereute es sofort, als er sah, wie sich das Grinsen auf dessen Gesicht ausdehnte.
„In der Tat, ja. Hast du sie über deine Ernennung in Kenntnis gesetzt?“
„Nicht notwendig. Das Memorandum wird das für mich erledigen, wenn nicht der Klatsch auf der Straße. Gerüchte über die Vierzehn verbreiten sich in der Regel schnell.“
„Wenn du meine Meinung hören willst, sollte eine solch bedeutsame Nachricht persönlich übermittelt werden. Soll ich sie suchen? Es wird nicht mehr als einen Moment dauern.“
„Darum habe ich nicht gebeten und ich lehne es respektvoll ab. Du hast wichtigere Angelegenheiten zu erledigen und ich möchte dich nicht davon abhalten.“

Zum ersten Mal wurde das Grinsen auf Hythlodaeus‘ Lippen schmaler und sein Kopf neigte sich fragend, wie sein Freund diesen Umstand erraten haben konnte. Und obwohl Hades sicher war, dass er es bereuen würde, die unausgesprochene Frage zu beantworten, gab er schließlich der Stille nach. Seufzend setzte er hinzu:
„Gerade eben erhieltest du Besuch aus Lahabreas Worten. Dies kann nur bedeuten, dass du mit einer Untersuchung von erheblicher Bedeutung beauftragt wurdest und keinerlei Zeit zu verschwenden haben solltest. Dass du mich aber nun aufsuchst, legt die Vermutung nahe, dass du dich mit mir beratschlagen – ja, mich vielleicht sogar um etwas bitten möchtest.“
Für einen Moment schwieg Hythlodaeus, so als würde er über die Worte nachdenken. Dann begannen seine Schultern vor Lachen zu beben.
„Das trifft mich, alter Freund! Ich habe dich nur zufällig hier liegen sehen und wollte dir meine Glückwünsche aussprechen.“ Als er fortfuhr, nahm seine Stimme einen schelmischen Unterton an. „Und ich gehe davon aus, dass du angesichts deiner neuen Aufgaben noch weniger Zeit hast als ich. Nicht, dass du dich jemals über das Maß angestrengt hättest – außer wenn du einen Weg siehst, dir schnellstmöglich einen Vorteil zu verschaffen.“
Obwohl sie im Scherz gesagt war, verbesserte die ungebetene Kritik seine Stimmung keineswegs. „Du hast deine Glückwünsche übermittelt“, sagte er gereizt. „Wenn es nichts Weiteres gibt, werde ich nun meiner Wege gehen.“ Dann drehte er sich um und schickte sich an, den Platz zu überqueren.
Als Hythlodaeus dies sah, änderte er hastig seinen Tonfall. „Warte. Wie du schon sagtest, wünsche ich deinen Rat ... und ja, ich habe auch eine Bitte. Würdest du mich bitte ausreden lassen, erlauchter Emet-Selch?“
„Ein unsterblicher Vogel?“, wiederholte Hades, als sie durch den inneren Bereich des Büros des Architekten gingen.
Hythlodaeus nickte. „Um genau zu sein, ist es kein lebendiges, natürliches Wesen, sondern Magie, verwoben in die Gestalt eines Vogels. Eine, die mächtige Heilkräfte birgt. Und, wie es sich für ein Meisterwerk aus Lahabreas Worten gehört, ist es vorzüglich gestaltet.“
„Das bezweifle ich nicht. Also, was ist dann das Problem?“
„Wie gesagt, es ist kein natürliches Lebewesen. Das vorgeschlagene Konzept war eine magische Vogelgestalt. Sieh selbst ...“

Hythlodaeus streckte eine Hand nach dem riesigen Tor aus, das vor ihnen stand. Lautlos öffneten sich die hoch aufragenden Türen ... und er zuckte zusammen bei dem ohrenbetäubenden Schrei, der ihnen von innen entgegenhallte. Er runzelte die Stirn und trat über die Schwelle, um einen prächtigen Vogel über sich kreisen zu sehen, dessen Federn auf märchenhafte Weise loderten. Nachdem er die unbestreitbare Schönheit der Kreatur zur Kenntnis genommen hatte, dauerte es nur einen kurzen Moment, bis er sich des Problems gewahr wurde – ein feines Leuchten, das aus dem Inneren des Vogels strahlte. Ihm stockte der Atem.
„Er hat eine Seele ... Wie ist das möglich?“

Durch die Beherrschung der Schöpfungsmagie konnte ein in den Künsten Gebildeter alles ins Dasein rufen. Alles, was er sich vorzustellen in der Lage war, vermochte er hervorzubringen – nur keine Seele. Seelen, so hatte es Hades gelernt, entstanden spontan in Lebewesen, die nach den Gesetzen der Natur geboren wurden. Sie waren ein Geschenk des Planeten, von dem angenommen wurde, dass es nicht durch Schöpfungsmagie nachzubilden sei. Kein künstliches Wesen, egal wie geschickt als Nachahmung der Natur gewoben, konnte eine Seele besitzen. Solche Kreationen, magische Lebewesen genannt, waren nicht mit den Geschenken der Natur zu vergleichen.

„Es gab einen unvorhersehbaren Zwischenfall“, begann Hythlodaeus seine Erklärung. „Während einer Prüfung des Konzepts ist eine treibende Seele mit ihm verschmolzen – eine Seele, gefüllt mit abgrundtiefer Enttäuschung, wenn man vom Verhalten des Vogels darauf schließen kann. Sie sträubt sich gegen den Sog der Unterwelt.“
Während er zuhörte, hielt Hades seinen Blick auf die Kreatur gerichtet, die in rasender Wut durch die Luft fegte. Kaum war sie in einer Wolke geborstener Federn gegen eine Wand geprallt, heilte sie sich selbst und begann von Neuem. Dieser selbstzerstörerische Tanz entfaltete sich immer wieder, und die Kreatur blies gelegentlich ihre überschüssigen magischen Reserven – oder ihre Wut – als feurigen Atem von sich.
Als er diese gequälte Erscheinung sah, strömten seine Gedanken über seine Lippen. „Von der Angst vor dem Tod verzehrt, windet es sich in seiner Unwissenheit. Es wird nur Schmerz und Leid kennen und anderen Schaden zufügen. Welch ein erbärmliches Dasein.“
„Ich staune über dein Einfühlungsvermögen. Es ist, als ob du seine Federn selbst tragen würdest.“
Er winkte ab. „Vergiss, was ich gesagt habe. Es war eine Laune, nichts weiter. Nun sag mir aber, was du damit zu machen gedenkst? Meisterwerk oder nicht, wir können es nicht einfach so lassen, wie es ist.“
Da drehte sich Hythlodaeus zu ihm um. Das irritierende Lächeln kehrte zurück auf seine Lippen, und wieder spürte er einen Stich des Bedauerns. „Da es auf gewisse Weise unsterblich ist, haben wir nicht die Möglichkeit, es in die Unterwelt zurückzuführen. Unsere Bemühungen würden ihm nur weh tun. Nein, wir brauchen die Dienste eines mächtigen Magiers ... und ich kenne keinen mächtigeren als dich.“

Wieder warf er seinem Freund, dessen Grinsen noch breiter geworden war, grimmige Blicke entgegen. Aber anstatt ihm das Vergnügen heftiger Widerworte zu bereiten, beschloss er, sein Gegenüber in die Schuld zu nehmen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, konzentrierte er sich und als er es tat, schwankte und tanzte seine Silhouette. Dann, als würde sich ein Schatten verlängern, begann sich seine Form plötzlich auf dramatische Weise zu verändern.
Durch das Rauschen des sich sammelnden Äthers hörte er Hythlodaeus sagen: „Es beeindruckt mich doch immer wieder.“
Er wusste genau, was sein Freund sah – die ungezügelte Kraft der Unterwelt, die in sein Wesen strömte. In solchen Momenten fühlte er sich eins mit dem Fluss. Obwohl Magier alles andere als selten waren, konnte man auch unter den anderen der Vierzehn keinen finden, der solche Macht innehatte.
Nach kurzer Zeit war die Verwandlung abgeschlossen und Hythlodaeus musste seinen Kopf in den Nacken legen. „In der Tat gibt es keinen besseren Kandidaten. Gestatte mir, dir noch einmal zu gratulieren, Emet-Selch.“
Er atmete aus, ein Seufzer vermischte sich mit Lachen. Dann wandte er sich dem Vogel zu und machte sich an die Arbeit.

„Majestät. Eure Majestät!“
Die Stimme kam aus einiger Entfernung, ungeduldig und beharrlich. Schläfrig öffnete er die Augen und konzentrierte sich im Dunst des Schlafes versehentlich auf den Ätherfluss – die Gewohnheit von Äonen. Anders als vor Urzeiten gab es jedoch keinen strahlenden Glanz, der seinen Anblick begrüßte, sondern nur ein fahles, kränkliches Leuchten. Das letzte Flackern einer Kerze, wo einst eine Flamme loderte. Sein Gesicht verzog sich unwillkürlich vor Abscheu. Er sammelte seine zerstreuten Gedanken und erinnerte sich schließlich, wo er war. Wieder mal im Stuhl eingenickt. Das musste das Alter sein.
„Eure Majestät. Es ist Zeit für meinen Bericht.“
Die Stimme erklang direkt vor ihm. Er warf einen trüben Blick in die Richtung, aus der sie kam, und sah einen jungen Mann, stattlich und mit goldenem Haar, der ihn ängstlich betrachtete. Obwohl noch kurz vor seinem zwanzigsten Geburtstag machte die Falte, die seine Stirn schmückte, sein Enkelkind um Jahre älter. Der Enkel dieses Körpers, korrigierte er sich. Dann erinnerte er sich – der Junge, Varis, drängte darauf, von seinen jüngsten Erfolgen bei der Unterdrückung von Unruhen in der einen oder anderen Provinz zu berichten. Kaum eine Angelegenheit, die ein formelles Publikum rechtfertigte, geschweige denn, ihn dafür zu wecken. Vielleicht hatte er endlich den Mumm gefunden, mit seinen Leistungen zu prahlen. Vielleicht wurde er auch nur von ehrgeizigen Lakaien dazu gebracht. Aber was auch immer die Absicht war, es war nichts anderes als die unbedeutenden Ränkespiele unvollkommener Kreaturen. Müde rappelte er sich auf und begann zur Tür zu schlurfen, aber er war kaum an dem Jungen vorbeigekommen, als es aus diesem herausplatzte.
„Was ist es an mir, das Euch so missfällt?“

Er blieb ob der unerwarteten Ansprache stehen. Er warf einen Blick über die Schulter und sah den schmerzlichen Ausdruck auf dem Gesicht des Jungen. In diesem Moment wirkte er Jahrzehnte älter. Um diese Frage jetzt zu stellen, muss seine Frustration gegenüber seinem Großvater in der Tat gewaltig gewesen sein. Nach einer kurzen Pause antwortete er leise.
„Es ist dein Körper.“
„Was...?“ Die Augen des Jungen zuckten verwirrt, aber er bot ihm kein Wort mehr an, wandte sich ab und verließ den Raum. Als er langsam zum Thronsaal ging, zog sich ein selbstironisches Lächeln auf seine Lippen.

Garlear waren für ihre stämmigen Körper bekannt, doch der Körper, den er trug, war in dieser Hinsicht keineswegs außergewöhnlich, und auch nicht der der Frau, die er zu seiner Gattin genommen hatte. Und doch war ihr erstgeborener Sohn ein erstaunlich großes und robustes Exemplar, das seinesgleichen suchte. Als der Junge wuchs, wurde seine Erscheinung von allen in Ehrfurcht und Bewunderung gehalten, aber für ihn war es eine Quelle großen Verdrusses.
Sie alle waren nichts als missgebildetes Gewürm. Schwach, gebrechlich und dumm. Blind durch ihre flüchtigen, fragmentierten Leben stolpernd, um immer und immer wieder dieselben Fehler zu wiederholen. Niemals könnten sie seine Brüder ersetzen. Doch als er das Neugeborene in seinen Armen wiegte und über das flaumige Haar strich, konnte er nicht anders als zu hoffen. Auf was, das wusste er nicht zu sagen, doch letzten Endes erwies es sich als vergebens. Sein Sohn war irgendeiner absurden Krankheit erlegen und in die Unterwelt zurückgekehrt. Nicht ohne jedoch ein Vermächtnis zurückzulassen – eine beinahe in Vergessenheit geratene, aber doch lebendige, atmende Erinnerung an diesen Moment der Liebkosung und der Schwäche.

Endlich hatte ihn sein gebrechlicher Körper an sein Ziel gebracht. Er blieb vor der Tür stehen, holte tief Luft und schloss die Augen – als wollte er die lästige Störung beiseiteschieben.