Ein Mann stand auf dem Namensacker im Ewigen Erbe. Sein Name war Arkose, doch die meisten Leute kannten ihn als den Großmeister des Arkadions – den Tyrannen. In Lösung Neun wäre er schon längst von einer Schar Fans umringt gewesen. Doch dieser verlassene Friedhof gestattete ihm, allein und ungestört ein bestimmtes Grab zu besuchen – ein Grab, in dem kein Leichnam ruhte.
Die Riesenschlange, in die sich der Präsident auf der verzweifelten Suche nach einem Heilmittel gegen Seelenzerfall verwandelt hatte, war besiegt. Infolge seiner Niederlage war sein gesamter Körper zu Staub zerfallen und hatte lediglich das Herz der Bestie zurückgelassen. Dennoch hatte der Präsident, der zu Lebzeiten aus Prinzip keinen Regulator getragen hatte, ausdrücklich auf eine Bestattung in einem Grab bestanden.
Und so richtete Arkose seine leisen Worte an das leere Grab. „Wenn ich mich recht entsinne, war es an einem verlassenen Ort wie diesem hier, an dem ich dir damals begegnet bin.“
Der stärkste aller Merzer. Unter diesem Titel war Arkose damals dank seiner überragenden Kampfkunst mit Waffen aller Art bekannt gewesen. Gleichzeitig hatte er sich den Beinamen „verbissener Langweiler“ eingehandelt, als er eine Einladung seiner Kollegen, die seinen Sieg über eine gewaltige Horde Bestien mit ihm feiern wollten, zugunsten eines geplanten Trainings mit einer seiner neuen Waffen abgelehnt hatte. So blieben bald sämtliche Einladungen aus und es fand sich niemand mehr, den er einen Freund hätte nennen können.
Dennoch empfand Arkose seine Einsamkeit nie als Bürde. Für gewöhnlich schlossen sich Leute in Gruppen zusammen, um ihre Schwäche auszugleichen. Er jedoch strebte nach eigener Stärke und vermisste somit weder Liebe noch Freundschaft in seinem Leben. Was andere von ihm dachten, war ihm gleich. Er war einzig interessiert daran, die Grenzen seiner Stärke zu erfahren. Nicht mehr und nicht weniger. Und so verbrachte er seine Tage und Nächte damit, mit allen erdenklichen Waffen zu trainieren und seinen Umgang mit Bestienseelen zu perfektionieren.
An einem dieser Tage, an dem er gerade in der Donnersteppe seine neueste Sense in einem Trainingskampf erproben wollte, stand plötzlich ein vornehm gekleideter, älterer Herr vor Arkose. Der Präsident des Arkadions.

„Könntest du dir vorstellen, als Kämpfer im Arkadion anzutreten?“
Das Arkadion – eine Kampfarena, die dieser Tage in aller Munde war. Selbst Arkose, der Unterhaltungsangeboten sonst wenig abgewinnen konnte, hatte davon gehört. Doch für ihn war das Kämpfen der Weg zur Vervollkommnung seiner selbst. Es wäre einem Sakrileg gleichgekommen, hätte er seine Kampfkunst zur Zerstreuung von Schaulustigen eingesetzt.
„Danke, kein Interesse“, antwortete er.
„Ich verstehe“, erwiderte der Präsident ruhig. Arkoses Ablehnung schien ihn nicht zu irritieren. „Dann ist es dir also bereits gelungen, dein volles Potenzial zu entfalten?“
Diese Worte trafen Arkose tief ins Herz. Sein tägliches Training machte ihn zweifelsohne stärker, doch gleichzeitig fanden sich immer weniger würdige Gegner, an denen er sein Können messen konnte. Riskante Einsätze, die früher sein Herz hatten höherschlagen lassen, oder Duelle auf Leben und Tod, die ihn dazu zwangen, seine Grenzen zu überschreiten, waren eine Seltenheit geworden. Aufträge zur Bestienbekämpfung waren schon lange keine Herausforderung mehr, sondern reine Routine, die er mit alltäglicher Nüchternheit absolvierte.
Der Präsident hatte seinen Durst nach neuen Herausforderungen auf den ersten Blick erkannt. Und doch zögerte Arkose, ein Kämpfer des Arkadions zu werden. „Ich will keine Attraktion werden, die auf Schritt und Tritt von Leuten verfolgt wird“, sagte er ehrlich.
Der Präsident dachte kurz nach. „Wie wäre es dann mit einer Maske?“, schlug er vor. „Solange dein Gesicht verdeckt ist, bleibt deine wahre Identität vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.“
Diesem Kompromiss wusste Arkose nichts mehr entgegenzusetzen. Wenige Tage später verlieh ihm der Präsident den Ringnamen „Maske der Gerechtigkeit“, und bald darauf gab Arkose als neuer, geheimnisvoller Kämpfer und angehender Publikumsliebling sein Debüt. Man fertigte eine spezielle Maske für ihn an, die sein Gesicht auch dann verbarg, wenn er eine Bestienseele verwendete. So konnte Arkose seinen Kräften bedenkenlos freien Lauf lassen. Als Maske der Gerechtigkeit bezwang er unzählige Gegner, einer stärker als der andere. Die Neugier auf das verborgene Potenzial seiner Gegner entfachte in ihm ein Hochgefühl, das er im Kampf gegen wilde Kreaturen nie erlebt hatte. Nach langer Zeit hatte er endlich wieder einen Ort gefunden, an dem er seine Grenzen ausreizen konnte, und fühlte sich erfüllt wie nie zuvor.
Seine Beliebtheit wuchs jedoch weniger schnell, als man es angesichts seiner glänzenden Siegesbilanz hätte erwarten können. Der Grund dafür war offensichtlich: Er war zu stark. Zu stark – und zu steif. Auftritten mittels Theatralik zu mehr Unterhaltungswert zu verhelfen war ein Prinzip, das ihm zutiefst widerstrebte. Seine Ansprachen vor und nach den Kämpfen waren uninspiriert und nüchtern. Es schien ihm unmöglich, die vom Präsidenten ersonnene Rolle des mysteriösen, von Gerechtigkeitssinn erfüllten Publikumslieblings überzeugend zu verkörpern. In seinen Siegesmomenten, in denen er die Zuschauer hätte mitreißen sollen, verließ er ungerührt den Ring, und wenn seine Anhänger bewegende Worte erwarteten, gab er Analysen des Kampfverlaufs zum Besten. So beeindruckend seine Kampfkunst auch war, seine Auftritte schienen einzig auf den Sieg ausgerichtet und vermochten keinerlei Begeisterung zu entfachen. Niemand konnte sich mit ihm identifizieren.
Und Arkose musste feststellen, dass er sich die Reaktionen des Publikums zu Herzen nahm. Anfangs hatte er lediglich nach einem Ort gesucht, an dem er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte, und keinerlei Interesse daran gehabt, die Blicke der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Doch plötzlich freute er sich über lautstarke Jubelrufe und verspürte Enttäuschung, wenn sie verhalten ausfielen. Die Wertschätzung seiner Person, die er stets als unbedeutend abgetan hatte, begann, für ihn an Bedeutung zu gewinnen.
Dann kam der Tag, an dem Maske der Gerechtigkeit zum Großmeister gekürt wurde – doch auch der höchste aller Titel half ihm wenig dabei, die Herzen des Publikums für sich zu gewinnen. Während die Zuschauer seine besiegten Gegner bejubelten und auch der ehemalige Großmeister, der sich wacker geschlagen hatte, von begeistertem Applaus aus der Arena begleitet wurde, erklang für Maske der Gerechtigkeit nur spärlicher Beifall. Für ihn, den eigentlichen Sieger, der mehr geleistet hatte als jeder andere. Für ihn, den stärksten Kämpfer aller Zeiten.
Warum feierten die Leute die Verlierer und nicht ihn?
Es war ihm unbegreiflich. Sein Leben lang hatte er fest daran geglaubt, dass Stärke alles sei. Nun kehrte er voller Enttäuschung in die Umkleidekabine zurück. Doch dort erwartete ihn die nächste böse Überraschung: In der Sendung „Arkadion Hautnah“, die zufällig über die Monitore flackerte, verhöhnten Zuschauer den neuen Großmeister Maske der Gerechtigkeit als „verbissenen Langweiler“.
Und sie hatten recht. Kämpfen war seine Stärke. Abseits davon war er nichts weiter als ein unbeholfener Mann ohne nennenswerte Talente. Der Zeitpunkt schien also gekommen. Entschlossen machte er sich auf den Weg zum Büro des Präsidenten.
„Ich kündige. Der Job als Arkadion-Kämpfer liegt mir nicht“, verkündete er.
Der Präsident sah ihn nachdenklich an. „Keine Sorge“, sagte er dann mit milder Stimme, „ich weiß genau, warum ich dich rekrutiert habe. In dir brennt ein Feuer. Solange es nicht erlischt, wird eines Tages dein großer Moment kommen.“
Arkose wusste nichts zu erwidern. Ein seltsam warmes Gefühl breitete sich in ihm aus. Schon viele hatten seine Kampfkunst gelobt, doch dieser alte Mann sah mehr in ihm – etwas, das über bloße Stärke hinausging. Solange er an ihn glaubte, wollte auch Arkose noch ein wenig länger den Glauben wahren. An die Intuition dieses alten Mannes – und an sich selbst. Arkose verneigte sich tief.
Nur kurze Zeit darauf geschah das Unfassbare. Der abgedankte Großmeister und andere langgediente Kämpfer wurden von einer unbekannten Krankheit befallen. Bald stellte sich heraus, dass es sich um den sogenannten Seelenzerfall handelte – eine Krankheit, die durch wiederholte Bestienseelen-Verschmelzungen ausgelöst wurde. Ein Kämpfer nach dem anderen erlag dem Seelenzerfall. Niemand verfolgte das Unheil mit größerer Betroffenheit als der Präsident.
„Ich übernehme die volle Verantwortung“, erklärte er eines Tages. „Es wird keine weiteren Opfer geben. Ich werde diese Krankheit aufhalten.“
Nach dieser Ankündigung setzte sich der Präsident unermüdlich für die Rettung der Befallenen ein. Er bat die Forscher der Origenik um Unterstützung und stieß mit ihrer Hilfe auf eine Heilmethode, die sich die erstaunlichen Regenerationskräfte des legendären Lindwurms zunutze machte – und als Nachkomme eines Adelsgeschlechts von Lindblum hatte der Präsident ein Ei ebenjener Bestie geerbt. In der Theorie handelte die Methode davon, wie man die Seele der Riesenschlange extrahieren und ihre Regenerationsfähigkeit auf Befallene wirken lassen konnte. Der Präsident setzte alles auf diese Karte. Er stellte sich als Versuchsperson für das Projekt zur Verfügung und nahm die Lindwurmseele in sich auf.
Doch das Ergebnis war verheerend. Er verwandelte sich in eine Riesenschlange, die in ihm zwar tatsächlich unvergleichliche Regenerationsfähigkeiten erweckte, ihm aber keineswegs ermöglichte, andere damit zu heilen. Stattdessen übernahmen die unvorstellbaren Kräfte des Lindwurms die Kontrolle über seinen Körper und verhinderten, dass er in seine menschliche Gestalt zurückkehren konnte. Als er schließlich spürte, dass auch sein Verstand nach und nach von den Instinkten des Lindwurms zersetzt wurde, verbarrikadierte sich der Präsident in der Arena.
Gerade als es schien, dass sein Bewusstsein vollständig von der Riesenschlange vereinnahmt worden war und kaum Hoffnung bestand, dass der Präsident je wieder in Erscheinung treten würde, ertönte aus einem der mechanischen Ringrichter die Stimme des alten Mannes. Das Kommunikationsgerät, das der Präsident bei sich getragen hatte, schien auf wundersame Weise noch zu funktionieren, und er hatte gerade noch genug von seinem Bewusstsein bewahrt, um über den Ringrichter mit der Außenwelt zu kommunizieren.
„Töte mich.“ Die Worte waren an Arkose gerichtet. „Nutze das Herz des Lindwurms.“
Der Mann, der stets an Arkose geglaubt hatte, dem Arkose so viel zu verdanken hatte, forderte ihn nun auf, sein Leben zu beenden – eine Bitte, der Arkose unter keinen Umständen nachkommen konnte. Er wandte sich an die Forscher und bat sie, nach einer Heilung für den Präsidenten zu suchen, doch diese schüttelten nur den Kopf. Der Prozess ließ sich nicht umkehren – das ganze Experiment war von Beginn an ein gigantisches Wagnis gewesen, auf das der Präsident sich sehenden Auges eingelassen hatte.
Schweren Herzens trat Arkose also der Riesenschlange des verlorenen Reichs entgegen. Doch so sehr er sich auch bemühte, er konnte den Lindwurm nicht bezwingen. All seine Stärke, all seine Techniken, die er so unermüdlich trainiert hatte, waren bedeutungslos angesichts der überwältigenden Regenerationsfähigkeit der Riesenschlange. Hatte er ihren Körper verwundet, regenerierte sie sich Sekunden später, und selbst unter Aufbietung all seiner Kraft hatte er nicht den Hauch einer Chance auf den Sieg. Der bislang ungeschlagene Großmeister erlitt seine erste Niederlage. Mit Mühe und Not gelang es ihm, dem Ring zu entkommen.
„Wir haben keine andere Wahl, als das Arkadion fortzuführen, bis wir jemanden finden, der den Lindwurm niederstrecken kann“, erschallte die Stimme des Präsidenten aus dem Ringrichter.
Und so kam dem Arkadion eine neue Bestimmung zuteil. Auf Anweisung des Präsidenten wurde der Öffentlichkeit das Phänomen des Seelenzerfalls verschwiegen. In Bezug auf erkrankte Kämpfer wurde offiziell verkündet, sie seien in den Ruhestand getreten; tatsächlich jedoch wurden sie in Kryoschlaf versetzt, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Hinter der Fassade eines Kampfsportwettbewerbs, der tausende von Zuschauern in Ekstase versetzte, verfolgte die Gesellschaft nun ein neues, geheimes Ziel: einen Kämpfer hervorzubringen, der den Lindwurm besiegen konnte. Sein neuer Auftrag als Großmeister bestand darin, den Herausforderern als letzte Prüfung entgegenzutreten.
Von diesem Tag an kämpfte Arkose unerbittlicher denn je. Da er um den Schrecken des Lindwurms wusste, war ihm klar, dass die Bekämpfung der Riesenschlange niemandem anvertraut werden durfte, der sich nicht über das volle Ausmaß seiner Stärke hinwegsetzen konnte. Genau deshalb forderte er seine Kontrahenten aufs Härteste heraus. Vorbei waren die Zeiten, in denen er sich die Reaktionen des Publikums zu Herzen genommen hatte – ein Herausforderer nach dem anderen wurde sang- und klanglos in Grund und Boden gestampft.
Seine Duelle verkamen mehr und mehr zu einem einseitigen Spektakel, bis es dem Publikum schließlich zu viel wurde. Als eines Tages ein weiterer Herausforderer zu Boden ging, brach von den Zuschauerrängen ein Sturm aus Buhrufen los.
„Was für ein Elend! Das will doch keiner sehen!“
„Hast du keine Lust auf deine Kämpfe, oder was?“
„Gib ihnen wenigstens mal ’ne Chance!“
Das Publikum hatte keine Ahnung, was dem Präsidenten widerfahren war, wusste nichts vom Seelenzerfall. Auf rationaler Ebene war Arkose sich darüber im Klaren. Doch je länger sich die wüsten Beschimpfungen über ihn ergossen, desto heißer brannte die Flamme in seinem Inneren – bis sie schließlich explodierte. Er packte seine Maske, riss sie gewaltsam ab, schleuderte sie in den Ring und ließ seinen lodernden Blick durch die Zuschauerränge fahren.
„Ihr wisst GAR nichts!“, brüllte er aus seinem tiefsten Innern. Von einem Augenblick zum nächsten wurde es still. Auf den Rängen hielten die Leute die Luft an. „Diese Kämpfe hier dienen nicht eurer Belustigung! Wer seine Stärke an die Schwäche seiner Gegner anpasst, hat nichts verstanden! Ich bin der Großmeister! Mein ist der Thron, der auf dem Gipfel des Arkadions errichtet wurde! Das hier ist MEIN Arkadion!“
Die Zuschauer murmelten aufgebracht durcheinander. Einen solchen Sinneswandel hatten sie von Maske der Gerechtigkeit, einem Kämpfer, der ihnen als Publikumsliebling präsentiert worden war, nicht erwartet.
„Was ist denn mit dem los?“
„Herrscht uns hier an, als gehörte ihm der Ring ...“
„Von wegen Publikumsliebling, ein Tyrann ist das ...!“
Tyrann – plötzlich war das Wort in aller Munde und fraß sich durch die Ränge wie ein Lauffeuer.
„Tyrann!“
„Tyrann!“
„Tyrann!“
Mehr und mehr Stimmen verschmolzen zu Jubelrufen und begannen, denselben Namen zu skandieren. Arkose hörte fassungslos zu. Weder seine Kampfkunst noch sein Auftreten als Publikumsliebling hatte ihm jemals zu Anerkennung verholfen. Doch jetzt, da er seinem Zorn und seiner Arroganz freien Lauf ließ, sahen die Leute ihn zum ersten Mal so, wie er wirklich war. Nicht nur als den Stärksten der Starken, sondern als einen Kämpfer, in dessen Innerem ein Feuer brannte.
So verschwand der Kämpfer namens Maske der Gerechtigkeit an jenem Tag aus der Geschichte des Arkadions, und der Tyrann war geboren. Arkose hatte sich entschieden, zum Regelbrecher zu werden – für den Präsidenten, für die Kämpfer, die dem Seelenzerfall zum Opfer gefallen waren, und für das große Ziel, eines Tages jemanden zu finden, der den Lindwurm besiegen würde. Er war stärker und verhasster als alle anderen, und eben deshalb war und blieb er die unüberwindbare Mauer, die die Teilnehmer am Ende des Turniers erwartete. Sein neues Ich war seine fleischgewordene Antwort auf den ihm auferlegten Auftrag.
Als Tyrann erlangte er schließlich jene enorme Beliebtheit, nach der er so lange vergeblich gestrebt hatte. Jubelrufe, die ihm in seiner Zeit als Publikumsliebling verwehrt geblieben waren, begleiteten ihn nun, wohin er ging. Der Tyrann, der eigentlich eine Hassfigur hätte werden sollen, wurde zu einer Präsenz, die die Zuschauer restlos begeisterte. Auch die anderen Athleten kämpften motivierter denn je, um den provokanten Tyrannen in die Knie zu zwingen – sie wetteiferten miteinander, spornten sich gegenseitig an und wagten mehr denn je zuvor, um die verhasste letzte Hürde des Turniers zu überwinden.
Doch die Tage vergingen und niemand konnte den Tyrannen bezwingen. Schließlich zeigten sich auch bei Arkose erste Symptome des Seelenzerfalls. Seine Zeit wurde langsam, aber sicher knapp. Dann aber tauchte wie aus dem Nichts der regulatorlose Herausforderer auf, der seine Kämpfe ohne Bestienseelen bestritt. Mit unaufhaltsamer Wucht kämpfte er sich durch die Ränge und bis vor den Thron des Großmeisters. In ihm erkannte Arkose die letzte Hoffnung, dass der Lindwurm vielleicht doch noch besiegt werden könnte.
Gemeinsam mit den Kämpfern der Schwergewichtsklasse provozierte Arkose den regulatorlosen Herausforderer mit allen Mitteln, um ihn dazu zu treiben, sein volles Potenzial zu offenbaren. In der letzten Prüfung trat er ihm persönlich entgegen. Er stellte ihn unter Aufbietung all seiner Kräfte auf die Probe ... und wurde besiegt. Endlich war sie gekommen – die Niederlage, auf die Arkose so lange gewartet hatte.

Arkose legte behutsam seine Hand auf den Grabstein. „Deine Intuition hat sich als richtig erwiesen.“ Für ihn, der einst als verbissener Langweiler verschrien gewesen war, hatte sich vieles verändert. Unzählige Kämpfer lechzten nun danach, sich mit ihm zu messen. Er hatte Bewunderer, die das Arkadion liebten. Er hatte eine Zukunft. Der regulatorlose Großmeister hatte das Arkadion verlassen, welches nun dem Tyrannen als stellvertretendem Großmeister anvertraut worden war.
Arkose erhob sich leise. Die Kämpfer der nächsten Generation, allen voran Schwarze Katze, hatten den Thron am Gipfel des Arkadions bereits ins Visier genommen – und er würde sich ihnen allen in den Weg stellen. Solange der Wunsch des Präsidenten weiterlebte, solange das Arkadion fortbestand, würde er die letzte Hürde des Turniers sein – der Tyrann, der darauf wartete, gestürzt zu werden.
Arkose wandte dem Grab den Rücken zu. In seinen Schritten lag nun kein Zögern mehr. Dort, wohin es ihn zog, wartete der Ring der Ekstase.





