Die Wogen des Schicksals

„Es kommen einfach keine Wellen.“

Indigowelle verlor langsam die Geduld. Ohne seinen Regulator konnte er keine Bestienseelen nutzen, um selbst eine Welle auf dem Wasser hervorzurufen. Und hier draußen, weitab von den künstlichen Wellenbädern von Lösung Neun, gab es nun einmal keine Garantie, dass die perfekte Welle nach Belieben erschien.


Hier draußen – das waren die Schimmersande von Gornitruq. Das war das echte, wahrhaftige, natürliche Meer.

„Da hilft nur warten, Indigo“, sagte Scharlachflamme, der im Sand neben ihm saß.

„Ist mir schon klar“, grummelte Indigowelle. Als müsste man ihm das Offensichtliche noch erklären!


Die zwei Brüder von Team Extrem hatten die Pause vom Arkadion genutzt, um zum allerersten Mal die Welt außerhalb des Walls zu erkunden. Leider hatte sich diese Welt als hochgradig langweilig entpuppt. Die trostlose Landschaft von Shaaloani erstreckte sich so weit das Auge reichte. Und in Tuliyollal waren die Vergnügungsmöglichkeiten genauso altmodisch wie die rustikale Stadt selbst. Indigowelle und Scharlachflamme hatten sich aufs offene Meer gefreut, doch bei der anhaltenden Windstille rauschte ihnen nicht eine einzige Welle entgegen, die sie hätten reiten können.


Indigowelle gefielen die „falschen“ Wellen aus den künstlichen Wellenbädern viel besser. Das echte Meer konnte seiner Meinung nach einfach nicht mithalten. Ungeduldig stand er wieder auf.

„Nichts kommt so, wie man es erwartet hätte. So ist das Leben nun mal“, sagte Scharlachflamme gedankenverloren.


„Hörst du Idiot wohl auf, großkotzige Sprüche zu klopfen“, ärgerte sich Indigowelle innerlich. Doch in der Aussage seines Bruders steckte ein gutes Maß an Wahrheit. Denn wenn er es sich recht überlegte, war sein ganzes Leben eine einzige Aneinanderreihung unerwarteter Ereignisse ...


Indigowelles früheste Erinnerung war, wie er mutterseelenallein in einer Gasse der Erholungszone saß und bittere Tränen weinte. Kurz darauf wurde er von Vertretern der Regierung eingesammelt und in ein Jugendheim geschickt. In so jungen Jahren war ihm bereits klar gewesen, dass seine Eltern ihn verstoßen hatten.


Er konnte sich nicht einmal an ihre Gesichter erinnern. Waren sie gestorben und die Erinnerung an sie längst den Wolken anvertraut? Oder hatte er sie schlicht und einfach vergessen? Indigowelle wusste es nicht. Doch diese Tatsache legte den Grundstein dafür, dass ihn weder die Kälte der Einsamkeit noch die Wärme der Leidenschaft rührten. Der Mangel an Elternliebe bedeutete jedoch auch, dass Indigowelle zum Einzelgänger mit sehr stürmischem Gemüt heranwuchs. Missfiel ihm etwas, so reagierte er sofort mit Gewalt, und er war schon bald unter den Erziehern im Jugendheim dafür berüchtigt, dass er sein Zimmer regelrecht auseinandernahm.

Als er volljährig wurde, schickte man Indigowelle zur Berufswahl zur Schlichtung. Sein größter Wunsch war es, als Merzer gefährliche Monster zu jagen. Er war wie besessen davon, einmal Bestienseelen im Kampf einsetzen zu können, und hielt sich wegen seiner wilden Tendenzen für den perfekten Kandidaten. Doch sein Leben sollte einen anderen Weg einschlagen.

„Deine gewalttätige Veranlagung ist nicht geeignet für die Arbeit mit Bestienseelen. Außerdem mangelt es dir an Kooperationsbereitschaft“, erklärte der Vermittler gelangweilt. Er blickte Indigowelle nicht einmal in die Augen. „Wir empfehlen eine Tätigkeit, bei der du nicht in einer Gruppe arbeiten musst: Du solltest Säuberer werden.“


Diese Worte entfachten einen lodernden Zorn in Indigowelle. Er tobte wild umher – und lieferte damit eigenhändig den Beweis dafür, wie wahrhaftig ungeeignet er für den Beruf des Merzers war. Sofort rief der Vermittler eine Wacheinheit herbei, um den wütenden Indigowelle unter Kontrolle zu bringen, doch bevor sie ihn fassen konnten, erspähte Indigowelle einen Luftraser, den jemand in der Nähe abgestellt hatte. Kurz entschlossen schwang er sich in den Sitz und flog davon. Die Wacheinheit eilte ihm sogleich mit den eigenen Luftrasern hinterher; Indigowelle drehte den Gashebel mit voller Wucht aufs Maximum. Der kleinste Fehler konnte nun einen katastrophalen Unfall bedeuten.


In diesem Moment stellte Indigowelle etwas Erstaunliches fest: Er verspürte keinen Deut Angst. Ganz im Gegenteil: Sein Herz war erfüllt von einem Nervenkitzel, den er noch nie zuvor verspürt hatte. Die Verfolgungsjagd fand allerdings ein schnelles Ende, als eine andere Wacheinheit ihn abfing. Doch für Indigowelle spielte das alles keine Rolle, denn an diesem Tag hatte er gefunden, was er wirklich wollte.

Nachdem er eine Nacht in einer Gefängniszelle hatte verbringen müssen, machte Indigowelle sich gleich an die Arbeit. Er suchte einen reichlich dubiosen Geschäftsmann auf, holte sich von ihm ein Darlehen und kaufte sich einen gebrauchten Luftraser. Er musste diesen Nervenkitzel einfach wieder erleben. Und nichts schien ihm besser dafür geeignet, als Akrobatik auf dem Luftraser einzuüben und sich dem Kunstfahren zu widmen.


Schon bald hatten sich seine öffentlich aufgeführten Tricks in bestimmten Kreisen herumgesprochen und ein kleines, aber leidenschaftliches Gefolge gebildet. Es folgten Sponsoren, mit deren Hilfe er seine Schulden abbezahlte, und ehe er es sich versah, hatte Indigowelle eine wahre Karriere aus seiner gefährlichen Akrobatik gemacht. Nicht die Karriere, die die Regierung für ihn vorgesehen hatte, sondern eine, die er für sich ganz allein gefunden und aufgebaut hatte.

Indigowelle galt als Favorit einer ganzen Generation und inspirierte viele andere, das Kunstfahren aufzunehmen. Zu diesen Nachfolgern zählte auch ein gewisser aufstrebender, talentierter junger Mann. Einer, der sich für seine Tricks nicht auf die Schwebefunktion seines Rasers verließ und aus eigener Kraft mehrfache Drehungen in der Luft hinlegen konnte. Als Indigowelle von dieser gefährlichen Technik hörte, wollte er sich unbedingt mit dem Neuen messen. Und genau dieser neue Herausforderer war es, der später als „Scharlachflamme“ bekannt werden sollte.


Indigowelle und Scharlachflamme stachelten sich gegenseitig zu noch extremeren und gefährlicheren Tricks an, mit denen ihr Ruhm über ihre Gefolgschaft hinauswuchs. Aber auch die Stimmen der Kritik erhoben sich: Es würde doch sicherlich nicht lange dauern, bis bei diesem extremen Kunstfahren ein schrecklicher Unfall passierte, so flüsterte man. Und eines Tages wurde diese Befürchtung schließlich Realität.

Es passierte während eines Wettkampfs, der endgültig den Stärkeren der beiden ermitteln sollte. Scharlachflamme hatte soeben ein gewagtes Manöver demonstriert, als er wieder falsch auf dem Boden aufkam. Es war nur ein Hauch, doch reichte das, um die Kontrolle über den Luftraser zu verlieren. In hohem Bogen flog er direkt auf die Mauer eines Ladengeschäfts zu … KRAWUMM! Der Raser prallte mit voller Wucht gegen die Wand. Das umherstehende Publikum schrie voller Entsetzen auf und ging in Deckung. Doch Scharlachflamme war es gelungen, kurz vor dem Aufprall abzuspringen. Er richtete sich auf und vergewisserte sich, dass er nur leichte Verletzungen erlitten hatte. Durch die bröckelnde Mauer konnte die Menge sehen, dass niemand im Geschäft verletzt worden war. Das Gebäude hatte es allerdings nicht so gut getroffen …


Nach diesem Zwischenfall veränderte sich die öffentliche Einstellung zum Kunstfahren schlagartig. Sponsoren sagten die Zusammenarbeit aufgrund der offensichtlichen Gefahr ab, wodurch Indigowelle von einen Tag auf den nächsten seinen Lebensunterhalt verlor. Der Erfolg und die Unabhängigkeit, um die er so hart gekämpft hatte, glitten ihm wieder durch die Finger. Nichts lief wie erwartet.

Es war nur wenige Tage her, dass sich der Unfall ereignet hatte, als Indigowelle niedergeschlagen durch die Straßen von Lösung Neun irrte und Scharlachflamme begegnete. Trotz der Niederlage im katastrophalen letzten Wettbewerb spürte dieser eine tiefe Verbindung zu Indigowelle – und nannte ihn „großer Bruder“. Er erzählte, dass er auch verwaist war, und Indigowelle stellte fest, dass sich ihre Verhältnisse gar nicht so unähnlich waren. Indigowelle hielt sein Gegenüber zwar für nicht besonders gescheit, hatte ihn aber recht lieb gewonnen und beschloss, ihn als kleinen Bruder zu betrachten. Und so kam es, dass sie ab diesem Tag unzertrennlich waren.

Eines Tages machte Scharlachflamme den Vorschlag, sich an den beliebten künstlichen Wellenbädern von Lösung Neun zu probieren. Indigowelle reagierte nicht allzu motiviert, doch die Kunst des Wellenreitens schien eine lange Tradition zu haben und er erkannte eine gewisse Ähnlichkeit zum Kunstfahren. Und da die zwei Brüder nichts anderes zu tun hatten, fing so das nächste Kapitel ihres gemeinsamen Lebens an.


Indigowelle und Scharlachflamme bewiesen sich in ihrem neuen Feld schnell als überaus fähig. Es folgten Wellenreiter-Auszeichnungen und, wie beim Kunstfahren, immer größer werdende Zuschauermengen. Im Gegensatz zu ihrer vorigen Tätigkeit bestand hier jedoch keine besondere Gefahr, weder für die Zuschauer noch für die umliegenden Gebäude. Die beiden Brüder waren wie Fische im Wasser und feuerten sich gegenseitig an, immer ausgefallenere Reitkünste zu entwickeln.


Sie setzten Elektrobtechnik ein, um sowohl Wellen als auch Flammen zu generieren, die sie in ihre immer erstaunlicheren Kunststücke einbrachten. Das Publikum war wild nach diesen extravaganten Shows. Indigo und Scharlach hatten zwar beim Kunstfahren alles verloren, aber durch das Wellenreiten waren sie nun wieder in aller Munde.

Aber auch diese Erfolgswelle sollte sie nicht lange tragen. Eines Tages teilte ein Funktionär der Wettbewerbe Indigowelle unter vier Augen mit, dass er und sein Bruder für ihre übermäßig spektakulären Aufführungen Kritik auf sich zogen. Man warf ihnen vor, sie würden die Seelen, diese kostbare Energiequelle, verschwenden und verschmähen. Besonders Scharlachflamme stand dabei im Mittelpunkt der Kritik, da er gerne mal explosionsartig große Wellen erzeugte. Dies war zum einen nicht ungefährlich und verbrauchte zum anderen Seelen, die bei Weitem keine bodenlose Ressource waren. Der Funktionär warnte Indigowelle, dass die Kritik sich nur noch weiter verschärfen würde, sollte sich nichts an diesem großspurigen Stil ändern.

„Willst du diesen Dummkopf nicht absägen?“, fragte er kaltblütig.

„Mein Bruder ist vielleicht nicht der Schlaueste, aber er ist niemals so dumm wie du!“, brüllte Indigowelle, der seine Wut nicht weiter zügeln konnte. Ehe er es sich versah, hatte er den Mann gepackt und an die Wand geschleudert.


Und so wurden Indigowelle und Scharlachflamme aus der Welt des kompetitiven Wellenreitens ausgestoßen. In nur einem Moment war der Erfolg, den sie sich hart erkämpft hatten, wieder zerronnen.

„Der einzige Dumme hier bin ich“, dachte sich Indigowelle verbittert.


Auf diesen Tag folgten etliche weitere gescheiterte Karrieren. Bald schon waren die Ersparnisse der zwei Brüder aufgebraucht und sie lebten wieder auf der Straße.


„Hätte ich mich nur dieses eine Mal zusammengerissen“, dachte sich Indigowelle immer wieder aufs Neue. Kein Tag verging, an dem er diesen einen Moment nicht bereute.

Scharlachflamme wusste nach wie vor nichts vom wahren Grund ihrer Ausschließung aus der Welt des Wellenreitens. Eines Tages, während er in einem Müllcontainer wühlte, sagte er salopp: „Schau mal, das wird schon, Indigo.“


Indigowelle blickte auf die suspekten Essensreste, die sein Bruder aus dem Abfall gefischt hatte, und stieß ein tiefes Seufzen aus. Er konnte nichts mehr tun. Das war es. Das sollte wohl das finale Kapitel seines Lebens sein.


Und gerade, als Indigowelle sich mit diesem Tiefpunkt abgefunden hatte, erschien die Rettung in Form eines elegant gekleideten älteren Mannes. Er kam auf die zwei Brüder zu und stand eine Weile lang schweigend vor ihnen, bis er schließlich sprach:

„Wollt ihr zwei nicht im Arkadion kämpfen?“

Beinahe widerwillig hob Indigowelle den Kopf. Sein Leben war zwar bei Weitem nicht wie erwartet verlaufen, aber seinen Endpunkt hatte es wohl doch noch nicht erreicht.


So wurden die zwei Brüder offiziell „Indigowelle“ und „Scharlachflamme“ genannt und begannen ihren neuen Abschnitt als Kämpfer im Arkadion.

Indigowelles einstiger Traum, mit der Hilfe von Bestienseelen in den Kampf zu treten, ging in Erfüllung, wenn auch anders als erwartet.


Der Präsident des Arkadions hatte den Wert der Brüder richtig erkannt und wusste, sie im Doppelpack einzusetzen, sodass ihre wahren Fähigkeiten zum Glänzen kamen. Das brandneue „Team Extrem“ trat jeden Kampf in der Arena gemeinsam an. Nicht nur ihre perfekt aufeinander angepasste Kampfweise, sondern auch ihr Umgang mit ihren Gegnern holte den beiden schnell große Aufmerksamkeit ein und sie wurden als „Schurken“ gekrönt, die das Arkadion verteidigten. Wieder einmal waren die zwei Brüder der Publikumsliebling. Nach den zahllosen Höhen und Tiefen des Lebens hatten Indigowelle und Scharlachflamme nun endlich ein beständiges Zuhause gefunden.

Doch auch dieses Glück währte nicht lange und sollte von einer Tragödie zerrüttet werden. Denn wer übermäßig von der Energie von Bestienseelen Gebrauch machte, der riskierte, dass ihm langsam aber sicher vom Seelenzerfall die eigene Lebensenergie zerfressen wurde. Indigowelle und Scharlachflamme mussten feststellen, dass sie von genau diesem Schicksal betroffen waren. Die Brüder waren in ihren Kämpfen dank ihrer Regulatoren vor „echten“ Gefahren geschützt, doch diese Krankheit stellte nun die unumgängliche, wahrhaftige Bedrohung des Todes dar. Eine Bedrohung, wie sie sie in ihrem bisherigen Spiel mit der Gefahr noch nie erlebt hatten. Angesichts dieser Tatsache verloren sie ihren Hunger auf Nervenkitzel. Das einzige Gefühl, das ihnen verblieb, war die schreckliche Angst vor dem Tod.

„Indigo … Ich will nicht sterben“, gestand Scharlachflamme leise. Noch nie zuvor hatte er diese Worte ausgesprochen.


Auch Indigowelle fürchtete zum ersten Mal wahrhaftig den Tod und spürte, ebenfalls zum ersten Mal, einen starken Hunger auf das Leben.


Indigowelle tat nachts kein Auge mehr zu. Denn er wusste nicht, ob er am nächsten Morgen wieder aufwachen würde. Die einzige Möglichkeit auf Genesung war, ihren einstigen Verbündeten, den Präsidenten der Arena, zu besiegen. Dieser hatte sich die Seele des Lindwurms einverleibt, aus dessen Herzen sich ein Heilmittel herstellen lassen würde. Doch im Kampf waren sie ihm nicht gewachsen – es bestand keine Hoffnung, den Lindwurm ohne die Verwendung von Bestienseelen zu besiegen. Team Extrem war nun darauf angewiesen, jemand Neues im Ring gegenüberzutreten, damit diese Person im Kampf stärker werden und sich bis zum Präsidenten vorkämpfen konnte.

„Das wird vielleicht unser allerletzter Kampf“, sagte Indigowelle entschlossen.

„Ich werde alles geben“, erwiderte Scharlachflamme.

Und so kam es auch – beide gaben alles. Der neue Herausforderer stürzte sich ohne Regulator in den Kampf. Und als sie diese Entschlossenheit sahen, wurde den Brüdern etwas klar: Wahre Stärke bedeutete nicht, dass man den Tod nicht fürchtete. Wahre Stärke war es, trotz dieser Furcht den Kampf nie aufzugeben.

In diesem Moment änderte sich schlagartig etwas in beiden Brüdern. Es war nicht etwa die Angst vor dem Tod, die ihnen genommen wurde. Es war ein Gefühl der vollendeten Lebensenergie, die sie erlebten, als sie sich trotz ihrer Angst der Gefahr stellten. Der Nervenkitzel, den sie ihr Leben lang gesucht hatten, war nichts im Vergleich mit diesem intensiven Gefühl. Denn wer dem Tod ins Auge blickte, der sah das wahre Leben.


Nach einem erbitterten Kampf gelang es dem Herausforderer schließlich, den Lindwurm zu bezwingen. Damit waren Indigowelle und Scharlachflamme gerettet.


„Indigo! Da kommt eine Welle“, ertönte die Stimme von Scharlachflamme. Indigowelle kehrte aus seinen Erinnerungen zurück und richtete den Blick aufs Meer. Auf dem Wasser, zuvor noch so still und spiegelglatt, tosten nun hier und da kleine Strudel.


Es stimmte: Nichts im Leben kam, wie man es sich vorstellte. Es gab unzählige Träume, die nie in Erfüllung gingen. Doch genau deswegen waren sich Indigowelle und Scharlachflamme überhaupt begegnet. Ohne Verluste hätte es niemals ein Team Extrem gegeben. Ohne diese Wahrheit hätten sie niemals den größten Nervenkitzel ihres Lebens genossen.

„Du hast recht. Nichts kommt so, wie man es erwartet hat …“, flüsterte Indigowelle. Das Leben war kein künstliches Wellenbad, in dem die Wellen auf Wunsch heranrauschten. Man wusste nie, wann die echte perfekte Welle kommen würde, und genau darin lag ihr wahrer Wert. Er lag im Herzrasen, das man bei der Ungewissheit verspürte, ob man sie reiten könnte oder nicht. Und er lag im Glück, das sich in der Brust ausbreitete, wenn man es geschafft hatte. Keines dieser Gefühle durfte fehlen.

Indigowelle tat einen Schritt nach vorne. „Los geht’s, mein Bruder!“

„Bin bereit, Indigo!“

Gemeinsam rannten die zwei Brüder durch den Sand und warfen sich ins Wasser. Das endlos weite Meer erstreckte sich bis zum Horizont, genau wie die Zukunft nun auch. Sie würde nicht kommen wie erwartet. Und eben deswegen war sie so schön.