DER KLEINE SCHMIED
Ein Märchen, wie es unter Lalafells erzählt wird
Es war einmal ein kleiner Mann. Ein Halbling und ein Schmied, um genau zu sein.
Der Einzige im kleinen Halbling-Dorf.
Er führte ein ruhiges, bescheidenes, manchmal auch armes Leben. Wie auch die anderen Halblinge.
Zwar teilten alles was sie hatten, aber viel blieb ihnen nicht. Oftmals litten sie Hunger.
Deshalb blieb auch der kleine Schmiede-Ofen kalt, selbst beim einzigen Schmied im Dorf. Alles was er zustande bringen konnte, waren stumpfe Schwerter, zerbrechliche Schilde und schwere Rüstungen.
Jede Nacht schlief der kleine Schmied einsam in seinem Bettchen und träumte zu gerne davon, für Könige schmieden zu dürfen. Wie sehr würde er prachtvolle Schwerter und wunderschöne Kronen fertigen. Aus den feinsten Metallen und Juwelen. Er würde zum Helden seines Dorfes werden und eine schöne Halblings-Dame zur Frau nehmen. Doch die Nächte wurden kälter und dunkler. Und langsam kam der Winter.
Eines Tages, als die Bäume die letzten Blätter verloren, kam ein stattlicher Elfenprinz in das Dorf geritten. Anmutig und stolz stieg er vom Pferd und verkündete:
"Ein abscheuliches Drachenvieh nahm mir mein Königreich im Inneren des schwarzen Berges. Und damit auch meine Schätze. Ruhm und Reichtum wird demjenigen zuteil, der das Drachenvieh vertreibe und mir meinen Schatz wieder bringt."
Verängstigtes Flüstern ging durchs Dorf. Denn das Halblings-Dorf lag dicht am Fuße des schwarzen Berges. Niemand im Dorf traute sich nur in die Nähe des Berges. Und vor allem nicht in die Nähe eines Drachens. Doch der kleine Schmied tüftelte an einem Plan. Er nahm sein Schmiedewerkzeug und ein Fläschen Schlafmittel mit. Damit wollte er den Drachen fangen. Im Morgengrauen verließ er das Dorf und ging tagelang durch Wiesen, Wälder und an Sümpfen vorbei, bis er vor riesigen Toren stand.
Mutig zwängte sich der kleine Schmied durch einen schmalen Spalt zwischen zwei großen Toren. Im Inneren des schwarzen Berges schlich er sich leise durch verlassene Hallen. Treppen im Fels führten den Schmied tiefer hinein, bis er in einer Halle stand, die bis in jede Ecke mit Schätzen gefüllt war.
Er spielte mit dem Gedanken, sich seine Taschen mit Goldmünzen zu füllen. Doch nicht eine Münze steckte er ein. Er erblickte Schwerter und Schilde, doch auch diese ließ er einfach liegen.
Doch direkt neben ihm, unter einem kleinen Berg Goldmünzen, schien sich etwas vorbei zu schlängeln. Da bekam er es mit der Angst zu tun.
Der kleine Schmied rannte die Goldberge hinunter und versteckte sich hinter einer Säule. Dabei kullerten einige Münzen wie eine Lawine nach unten. Das Klimpern von Münzen durchbrach hallend die Stille, bis eine Stimme diese übertönte. “Nun… Wen haben wir hier? Einen Besucher. Ein Dieb?”
Ängstlich begrub sich der Halbling geschwind unter einem Haufen Gold und sah zu, wie etwas schemenhaft aus der Finsternis trat.
"So viele kamen bereits hier her. Getrieben von Gier. Getrieben von Ruhm. Getrieben von meinem Goooooold". Die Stimme kam immer näher. Sehr dicht stolzierte es an dem kleinen Schmied vorbei, den langen Schweif hinter sich her ziehend. Verspielt griff es in die Goldmenge und ließ einzelne Münzen durch die Klauen gleiten. Langsam drehte es seinen Kopf zum Schmied.
Plötzlich ergriff etwas sein Bein. Mit einem Ruck zog es ihn aus seinem Versteck und an sich heran. Voller Angst blickte der kleine Schmied in die glühenden Augen. Im herein fallenden Lichtstrahl sah er es ganz deutlich. Ein Wesen - aber kein Drache. Jedenfalls kein richtiger. Wesentlich kleiner als andere Drachen.
Er blickte in das Gesicht einer Frau, deren Schuppen einen Teil ihres zierlichen Körpers zierten.
Goldene Kettchen zierten die spitzen Hörnern. Goldene Adern durchzogen die Schuppen. Saphirblaue Augen funkelten in der Dunkelheit.
Sie betrachtete den Schmied argwöhnisch. "Leere Taschen, also kein Dieb. Keine Waffen, also kein Ritter. Also wer seid hier? Was wollt ihr?"
"Ich bin nur ein armer, einsamer Schmied. Ich möchte nichts stehlen. Euer Gold und euer Leben begehre ich nicht" antwortete der Halbling ängstlich.
Die Drachin schien dem Schmied zu glauben, doch sie blieb skeptisch. “Wenn ihr nichts begehrt, warum seid ihr hier? Sprecht, bevor ich euch verbrenne!”
Der Halbling musste sich schnell etwas einfallen lassen. “Ich… ich hörte von einem entsetzlichen Drachenvieh, welches in Nähe meines kleinen Dorfes leben soll. Ich machte mir Sorgen und wollte mich vergewissern…” “Und fandest du nun, wonach du suchtest?” unterbrach sie ihn grollend. Noch etwas zittrig entgegnete der Halbling schnell: “N-Nein. Nein. Ihr seid nicht entsetzlich. Eher… machtvoll. Erhaben! Und auch kein Vieh. Eine Frau. Eine bildschöne Frau.”
Die Drachin verwirrte es, was sie von dem kleinen Mann in ihrem Griff hörte. Sie hielt inne und begann über die Worte nachzudenken. “Sprich weiter…” forderte sie. Der Schmied zögerte nicht:
"Eu-Eure Augen strahlen heller als jedes Juwel. Euer Anmut und eure Schönheit kann es mit keinem Schatz auf der Welt aufnehmen.". Die Worte des kleines Schmiedes schmeichelnden der Drachin, doch sie blieb skeptisch. Sie wollte einen Beweis und sprach: "Wenn ihr die Wahrheit sagt, warum verbringt ihr nicht etwas Zeit mit mir?"
Der kleine Schmied willigte ein und so verbrachten sie Zeit zusammen. Sie erzählten sich Geschichten. Alte. Neue. Irgendwann begann der kleine Schmied auch vom Elfenprinzen und seinem armen Dorf zu erzählen, in der Hoffnung die Drachin würde freiwillig den Berg verlassen.
"Der Elf. Aber kein Prinz. Ein Lügner. Gierig. Listig. Falsch. Nichts vermag das Loch in seinem Herzen zu füllen." fluchte die Drachin.
"Dann lass ihm seinen Schatz und komm mit mir. Seine Belohnung ist mehr als genug für mich und mein Dorf. Niemand wird mehr Hunger leiden und wir werden niemals einsam sein." bat der kleine Schmied.
Doch die Drachin schüttelte den Kopf. "Es ist sein Schatz. Aber nichts davon gehört ihm. Der garstige Elf nahm es von anderen und versteckte es hier."
Besorgt blickte die Drachin in die goldenen Berge der Halle. "Dieser Schatz ist zu groß für einen einzelnen. Es brachte nur Unglück und Verderben. Es lockte Diebe und Mörder und hinterließ nur Elend und Einsamkeit. Der Elf wird euer Dorf versklaven, sobald er sein goldenes Königreich hat."
Der Halbling überlegte schwer. Er dachte an sein hungerndes Dorf aber er brachte es nicht übers Herz, die Drachin zurück zu lassen. Dann beschloss er genau das zu tun, was er schon sein ganzes Leben lang tun wollte.
Er ging durch die Schatzhalle und nahm sich einen Beutel Goldmünzen, die prachtvollste Rüstung, das prunkvollste Schwert und den schönsten Schild. Daraufhin begann er zu schmieden. Als er fertig war, nahm er ein Messer. Er schnitt die Drachin und kettete sie mit einer schweren Eisenkette an.
Der kleine Schmied ging zu seinem Dorf zurück, wo auch der Elfenprinz auf ihn wartete. Dieser staunte nicht schlecht, als er den Halbling in einer viel zu großen aber überaus prachtvollen Rüstung sah.
Stolz verkündete der kleine Schmied: "Das Drachenvieh ist gefangen. Ich habe es verletzt und in Ketten gelegt. Der Schatz ist nun euer."
Er erzählte, wie er den Drachen gefangen nahm und sich mit einem Fläschen gegen die Flammen des Drachen schützen konnte. Doch der Elfenprinz war skeptisch und verlangte einen Beweis. Der Halbling überreichte ihm den Beutel mit Goldmünzen. Der Elfenprinz war aber immer noch nicht überzeugt und so gab ihm der kleine Schmied eine golddurchzogene Schuppe. Das überzeugte den Elfenprinzen und so verlangte er vom Schmied, dass er ihm noch Schwert, Schild, Rüstung und das Fläschen übergeben solle.
Der kleine Schmied tat wie ihm befahl. Doch statt Ruhm und Reichtum bekam er vom gemeinen Elfenprinz nur hämisches Gelächter. Der Elfenprinz ritt zum schwarzen Berg und begab sich hinein. Dort sah er die Drachin. Auf einem Berg von Gold liegend. Verwundet, weinend und in Ketten gelegt. Gier und Mordlust glitzerten in den Augen des Elfenprinzes. Er trank das Fläschen ganz aus und verhöhnte die Drachin.Mit gezogener Klinge und erhobenem Schild stürmte er auf sie zu.
Ohne zu ahnen, wie der kleine Schmied ihn herein gelegt hatte.
Das prunkvolle Schwert war stumpf und rissig geschmiedet worden. Bereits beim ersten Hieb zersplitterte es in tausend Teile. Die prachtvolle Rüstung war schwer und unbequem. Es machte den Elfenprinzen träge. Das Schlafmittel aus dem Fläschen machte ihn müde.
Die Drachin zerbrach die kaputten Glieder ihrer schweren Eisenkette mit einem Ruck und bäumte sich grollend vor dem geschwächten Elfenprinzen auf. Selbst sein zerbrechlicher Schild konnte ihn nicht vor dem Flammenstrahl schützen, welcher den bösen Elfenprinzen kurzerhand zu Asche verbrannte.
Der kleine Schmied und die Drachin öffneten die Tore des schwarzen Berges und verteilten den Schatz an die Halblinge in den Dörfern. Es war ihr Gold, welches der gierige Elf ihnen einst entrissen hatte. Nun musste keines der Dörfer weder Hunger oder Kälte leiden. Eine Zeit von Wohlstand und Fortschritt brach herein. Es entstanden mächtige Burgen und Königreiche. Sieben Stück an der Zahl.
Der kleine Schmied fertigte seither für die sieben Könige wunderschöne Kronen, Schmuck und Schwerter. Aus den feinsten Metallen und Juwelen des schwarzen Berges. So, wie er es sich immer erträumt hatte. Und einsam war er nun auch nicht mehr, denn er nahm die Drachin zu seiner Frau. Zusammen hatten sie zwei Kinder und lebten über hundert Jahre glücklich und zufrieden.
Gefällt mir: 0Gefällt mir: 0